US-Treffen mit Russland in Abu Dhabi Berichte über neue Ukraine-Gespräche
Stand: 25.11.2025 12:22 Uhr
Am Wochenende haben die USA gemeinsam mit Ukrainern und Europäern ihren 28-Punkte-Plan nachjustiert. Nun gab es offenbar ein Gespräch mit Russland in Abu Dhabi. Doch der Kreml bremst die Erwartungen.
Die US-Regierung führt Medienberichten zufolge in Abu Dhabi Gespräche mit Vertretern Russlands über den US-Plan für die Ukraine. Die Nachrichtenagenturen AP und Reuters berichten unter Berufung auf US-Regierungsvertreter über ein Treffen des Leiters des US-Heeresamts, Dan Driscoll, in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate mit russischen Gesandten. Über den Inhalt des mehrstündigen Treffens wurde nichts bekannt.
Alle Seiten hätten jedoch angedeutet, dass sie einen Deal erreichen wollten, um die Kämpfe so schnell wie möglich zu beenden, heißt es. Die Ukraine sei über das Treffen Driscolls mit den russischen Vertretern informiert worden. Der Amerikaner werde voraussichtlich auch ukrainische Vertreter treffen.
Offizielle Bestätigungen für das Treffen in Abu Dhabi gab es weder aus Washington noch aus Moskau. Aus dem Kreml hieß es lediglich, es gebe keine neue Entwicklung in den Bemühungen um einen Frieden in der Ukraine.
Man habe bislang keine überarbeitete Fassung des Friedensplans von US-Präsident Donald Trump erhalten, erklärte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. „Derzeit ist das einzig Substanzielle das amerikanische Projekt, das Trump-Projekt. Wir sind der Ansicht, dass dies eine sehr gute Grundlage für Verhandlungen sein könnte. Wir halten weiterhin an diesem Standpunkt fest“, sagte Peskow weiter.
Kiew: USA und Ukraine einig über US-Plan
Unterdessen sind sich Washington und Kiew nach ukrainischen Angaben über die wichtigsten Fragen des US-Plans einig geworden. „Unsere Delegationen haben eine Übereinkunft über die wichtigsten Bestimmungen des in Genf ausgehandelten Abkommens erzielt“, schrieb der Sekretär des nationalen Sicherheitsrats der Ukraine, Rustem Umjerow, bei Facebook.
Seinen Angaben nach soll der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj schon in den nächsten Tagen nach Washington zu einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump reisen. Demnach soll die Visite noch im November stattfinden. Ziel sei es, die letzten Etappen des Abkommens zu erörtern und eine Vereinbarung mit Trump zu erzielen.
Macron sieht Verbesserungsbedarf am US-Plan
Am Sonntag hatten die USA mit der Ukraine und den Europäern in Genf Trumps 28-Punkte-Plan für ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine überarbeitet. Die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten hatten den ursprünglichen US-Vorschlag als Wunschliste des Kreml zurückgewiesen.
Vorgesehen war darin unter anderem, dass die Ukraine Gebiete an Russland abtreten, eine deutliche Begrenzung ihrer Armee akzeptieren und auf eine NATO-Mitgliedschaft verzichten soll. Die Regierung in Kiew hat diese Bedingungen wiederholt als gleichbedeutend mit einer Kapitulation zurückgewiesen.
Nach Ansicht von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron geht der US-Plan für die Ukraine in die richtige Richtung, benötige aber weitere Verbesserungen. Er müsse für die Ukraine und Europa annehmbar gemacht werden, sagte Macron bei RTL. „Wir wollen Frieden, aber wir wollen keinen Frieden, der eine Kapitulation wäre.“ Der vorgelegte Plan gebe eine Vorstellung davon, was für die Russen annehmbar wäre. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Ukrainer und Europäer ihn akzeptieren müssten.
Ukrainischer Botschafter spricht von „roten Linien“
Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, betonte im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF ebenfalls, dass die Ukraine in den Verhandlungen weiter auf ihre europäischen Partner setzt. „Aus einer gemeinsamen Position sind wir viel stärker, als wenn die Ukraine alleine verhandeln würde oder die anderen Länder nur als Vermittler fungieren würden.“ Dabei sprach Makeiev von „roten Linien“ in den ukrainischen Positionen, die für Kiew unüberschreitbar seien. „Der einzige, der zu Kompromissen gezwungen werden muss, ist derjenige, der diesen Krieg angefangen hat – das ist Russland.“
Die sogenannte Koalition der Willigen, eine westliche Unterstützergruppe der Ukraine, kommt am Dienstag zu einem virtuellen Treffen zusammen. Zu der Gruppe aus rund 30 Staaten zählen auch die USA. Das Treffen solle ermöglichen, eine Bilanz der am Sonntag stattgefundenen Gespräche in Genf zu ziehen, hieß es aus dem Élysée-Palast in Paris.
Leavitt: Trump beachtet beide Seiten gleichermaßen
Nach Angabe aus dem Weißen Haus ist US-Präsident Trump weiter hoffnungsvoll, dass die laufenden Gespräche zu einem Frieden in der Ukraine führen. Wie seine Sprecherin Caroline Leavitt sagte, sei Trump frustriert darüber, dass der Krieg nach wie vor andauere. Der Präsident habe die amerikanische Finanzierung des Krieges beendet, aber die Vereinigten Staaten lieferten beziehungsweise verkauften immer noch große Mengen an Waffen. „Das können wir nicht ewig so weitermachen, und der Präsident möchte, dass dieser Krieg endet“, so Leavitt weiter.
Den Vorwurf, Trump sei in dem Konflikt parteiisch zugunsten Russlands, wies die Sprecherin entschieden zurück. „Die Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten von Amerika in diesem Krieg nicht gleichermaßen beide Seiten beachten, um ihn zu beenden, ist ein vollständiger und totaler Irrtum“, sagte Leavitt.








