Vorwurf der Russlandnähe Trump verteidigt seinen Sondergesandten Witkoff
Stand: 26.11.2025 08:57 Uhr
Der Ursprung des US-Plans für die Ukraine ist unklar. Ein Telefonat des US-Sondergesandten Witkoff mit einem Putin-Berater wirft Fragen auf. Trump spricht von „normalen Verhandlungen“. Das sehen manche Republikaner anders.
US-Präsident Donald Trump hat seinen Sondergesandten Steve Witkoff gegen den Vorwurf verteidigt, er handele im Ringen um ein Ende des Krieges gegen die Ukraine zu russlandfreundlich. „Das ist eine ganz normale Sache“, sagte Trump, nachdem ihn eine Journalistin zu einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg befragt hatte. Sie war nach eigenen Angaben an den Mitschnitt eines etwa fünfminütigen Telefonats vom 14. Oktober gelangt, den sie als schriftliches Transkript veröffentlichte.
Darin spricht Witkoff dem Transkript zufolge mit Juri Uschakow, dem außenpolitischen Berater von Kremlchef Wladimir Putin. Er gibt ihm offenbar Tipps für den direkten Austausch zwischen den beiden Präsidenten. Witkoff regt unter anderem an, Putin könne Trumps Rolle als „Mann des Friedens“ betonen. Zudem bringt der US-Sondergesandte die Idee eines „20-Punkte-Plans“ ins Spiel, der – ähnlich wie ein US-Papier zur Beendigung des Gaza-Kriegs – als Grundlage für Gespräche über ein Abkommen zwischen Russland und der Ukraine dienen könne.
Putin und Trump telefonierten zwei Tage später
Das Telefonat könnte auf den Ursprung des 28-Punkte-Plans der USA hindeuten, der vielen Beobachtern in seiner ursprünglichen Fassung als für Moskau vorteilhaft galt. Vorgesehen waren darin bedeutende territoriale Zugeständnisse der Ukraine und die Zusage, nicht der NATO beizutreten.
Laut dem Transkript sagte Witkoff, er glaube, dass Russland „immer einen Friedensdeal gewollt“ habe. Er äußerte demnach zudem „den tiefsten Respekt für Präsident Putin“.
Das vorgeschlagene Telefonat zwischen Trump und Putin fand schließlich am 16. Oktober statt. Der US-Präsident bezeichnete es als „sehr produktiv“ und stellte die ukrainischen Forderungen nach „Tomahawk“-Marschflugkörpern infrage. Am Tag danach empfing er Selenskyj im Weißen Haus.
Kritik aus dem Lager der Republikaner
Die Veröffentlichung des Telefonats sorgte auch in Trumps eigener Partei für heftige Kritik. Der republikanische Kongressabgeordnete Brian Fitzpatrick sprach auf der Plattform X von „einem Riesenproblem“ und forderte ein Ende „geheimer Nebenkanäle“.
Parteifreund Don Bacon wurde noch deutlicher: Es sei „offensichtlich, dass Witkoff voll und ganz auf der Seite der Russen steht“, schrieb er. „Man kann ihm nicht zutrauen, diese Verhandlungen zu führen. Würde ein von Russland bezahlter Agent weniger tun als er? Er sollte entlassen werden.“
Trump stärkt Witkoff den Rücken
Trump wies diese Bedenken zurück. Er habe die Aufnahme zwar nicht gehört, für ihn klinge es aber nach „ganz normalen Verhandlungen“. Man müsse der Ukraine eben russische Positionen vermitteln und umgekehrt auch Moskau die Forderungen aus Kiew. Er gehe davon aus, dass Witkoff in Gesprächen mit der ukrainischen Seite ähnlich auftrete.
Auf die Frage, ob er keine Sorge habe, dass sein Sondergesandter zu russlandfreundlich sei, antwortete Trump: Der Krieg könne noch Jahre dauern, und Russland habe „viel mehr Einwohner und Soldaten“ als die Ukraine. Wenn das angegriffene Land daher ein Abkommen aushandeln könne, sei das seiner Ansicht nach eine gute Sache. Bei den Gesprächen um eine Verhandlungsgrundlage gehe es inzwischen um die „Feinabstimmung“, fügte Trump hinzu.
Der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, Steven Cheung, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP zu dem Bericht, dieser beweise, dass Witkoff „fast jeden Tag mit Vertretern Russlands und der Ukraine spricht, um Frieden zu erreichen, was genau das ist, wofür Präsident Trump ihn ernannt hat“.
Moskau bestätigt Pläne über Witkoff-Besuch
Unterdessen hat Russland einen geplanten Besuch Witkoffs in Moskau bestätigt. Es sei eine „vorläufige Vereinbarung“ darüber erreicht worden, dass er kommende Woche nach Moskau komme, sagte Uschakow dem Staatsfernsehen.
Nach Angaben des kremlnahen Korrespondentens des Staatsfernsehens, Pawel Sarubin, kommen Witkoff und eine Reihe weiterer Vertreter der US-Regierung, die mit „ukrainischen Angelegenheiten“ zu tun haben.
Im Ringen um eine Friedenslösung im seit fast vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg hatte Trump zuvor mitgeteilt, dass Witkoff „vermutlich kommende Woche“ mit Putin in Moskau sprechen werde. Der als Unterhändler agierende Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, Daniel Driscoll, treffe sich mit den Ukrainern.








