Katholischer Kirchenstaat Latein nicht mehr erste Amtssprache im Vatikan
Stand: 25.11.2025 15:30 Uhr
Der Vatikan war der einzige Staat der Welt mit Latein als erster Amtssprache, doch das ist Geschichte. Eine neue Regelung weicht die Stellung des Latein auf. Gepflegt wird die Sprache der Römer aber weiterhin.
Die Mühlen der Veränderung mahlen im Vatikan bekanntlich langsamer, doch auch hier bewegt sich etwas. Jüngste Neuerung: Ab sofort ist Latein nicht mehr die bevorzugte Amtssprache im kleinsten Staat der Welt. Dies geht aus einem neuen Regelwerk für den Verwaltungsapparat des katholischen Kirchenstaats hervor, das ein halbes Jahr nach dem Amtsantritt des neuen Papstes Leo XIV. veröffentlicht wurde.
Im Kapitel über die im Vatikan zu gebrauchenden Sprachen heißt es jetzt: „Die Behörden der Kurie schreiben ihre Akten in der Regel in Latein oder in einer anderen Sprache.“
In der alten Fassung des „Regolamento“ hatte die Sprache Cäsars und Ciceros noch eine herausgehobene Stellung. Dort hieß es: „Die Behörden der Kurie schreiben ihre Akten in der Regel in Latein, sie können aber für ihre Korrespondenz oder für das Schreiben von Dokumenten gemäß den jeweiligen Notwendigkeiten auch andere Sprachen nutzen, die heute gebräuchlicher sind.“ Wichtigste Arbeitssprache im Vatikan ist Italienisch.
Gestrichen wurde im neuen Regelwerk für die Vatikanangestellten auch die Anforderung „guter Lateinkenntnisse“. Künftig werden nur noch gute Kenntnisse im Italienischen sowie in einer weiteren Sprache verlangt. Erhalten bleibt jedoch das „Büro für die Lateinische Sprache“, das beim vatikanischen Staatssekretariat angesiedelt ist und der gesamten Römischen Kurie zur Verfügung steht.
Päpstliche Gesetzestexte weiterhin auf Latein
In der katholischen Kirche hat Latein bereits seit Jahrzehnten an Bedeutung verloren. Messen werden längst weltweit in den jeweiligen Landessprachen gehalten. Immer wieder gibt es innerhalb der Kirche mit ihren weltweit 1,4 Milliarden Gläubigen Debatten über alte Messen in Latein.
Beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) war Latein noch die einzige zugelassene Debattensprache. Inzwischen müssen auch päpstliche Gesetzestexte nicht mehr auf Latein im vatikanischen Amtsblatt erscheinen. Dagegen werden päpstliche Lehrschreiben weiterhin stets in lateinischer Fassung veröffentlicht.
Offizielle Mitteilungen des Vatikans oder Reden des Papstes werden heute in der Regel in englischer, italienischer, spanischer und französischer Sprache veröffentlicht. Deutsch und Polnisch kommen nach dem Ableben der Päpste Benedikt XVI. und Johannes Paul II. seltener vor. Papst Leo XIV. ist der erste Pontifex aus den USA. Er spricht Englisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und auch Latein.








