Schlag gegen Hisbollah Israel greift Ziel im Libanon an
Stand: 23.11.2025 16:27 Uhr
Eigentlich gilt zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz in Libanon eine Waffenruhe. Dennoch haben israelische Truppen Ziele im Süden des Landes angegriffen. Ziel war ein ranghohes Mitglied der Miliz.
Das israelische Militär hat erstmals seit Monaten wieder ein Ziel in der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Der Luftangriff habe einem Mitglied der Hisbollah-Miliz gegolten, teilten die israelischen Streitkräfte mit. Sie sprachen von einem Präzisionsschlag, nannten aber keine weiteren Details.
In einer Mitteilung des Militärs war die Rede von einem „gezielten Schlag gegen einen führenden Hisbollah-Terroristen in Beirut“. Nach Angaben der israelischen Regierung galt der Angriff dem Hisbollah-Führer Haitham Ali Tabatabai. Es handele sich um die „Nummer Zwei“ innerhalb der Miliz. Die USA hatten bereits 2018 eine Belohnung für seine Ergreifung ausgesetzt.
Rauchwolke im Süden Beiruts
Libanesische Medien berichteten von schweren Schäden bei einem Angriff am südlichen Rand Beiruts. Eine große Rauchwolke stieg über dem Vorort Haret Hreik auf. In sozialen Medien kursierte ein Video, das eine Menschenmenge zeigte, die sich rund um den mutmaßlichen Einschlagsort drängte, der sich neben einem Gebäude zu befinden schien.
Nach Angaben des Hisbollah-nahen libanesischen Fernsehsenders Al-Majadin wurde bei dem Angriff auf eine Wohnung mindestens ein Mensch getötet. Drei Menschen wurden danach verletzt.
Israel misstraut der Hisbollah
Das Bombardement erfolgt wenige Tage vor dem ersten Jahrestag des Waffenstillstands zwischen Israel und dem Libanon. Seit dessen Beginn haben Blauhelm-Soldaten der UN mehrere Tausend Verstöße durch Israel gegen die Vereinbarung registriert.
In den letzten Monaten hat die israelische Armee fast täglich Ziele im Libanon angegriffen, hauptsächlich auf die Hochburgen der Hisbollah im Süden und Osten des Landes, zuletzt seltener in Beirut. Israel und die USA hatten zuletzt den Druck auf den Libanon erhöht, die mächtige Hisbollah zu entwaffnen. Das libanesische Militär legte einen Plan vor, den die Regierung im September genehmigt hatte. Er sieht eine Entwaffnung der Miliz im ganzen Land bis zum Jahresende vor.
Der Libanon fürchtet neuen Krieg
Israel und die vom Iran unterstützte Schiitenmiliz hatten sich schon im November 2024 nach mehr als einjährigem gegenseitigen Beschuss auf eine Waffenruhe geeinigt. Dennoch greift das israelische Militär immer wieder Ziele im Libanon an. Beide Seiten werfen sich Verstöße gegen die Vereinbarung vor. Israel beschuldigt die Hisbollah, ihre militärischen Fähigkeiten im Südlibanon wieder aufbauen zu wollen. Die Regierung in Beirut weist dies zurück.
Im Libanon befürchten viele, dass Israel einen neuen Krieg mit der Hisbollah provozieren will, möglicherweise sogar den Einmarsch von Bodentruppen plant. Für die Regierung in Beirut kommt die neue Eskalation zur Unzeit. Einerseits scheitert sie bislang an der geplanten Entwaffnung der Hisbollah, andererseits bereitet sie sich aktuell auf den Besuch von Papst Leo in einer Woche vor.
Netanjahu will „alles Notwendige“ tun
Israel wird nach den Worten des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu „alles Notwendige“ tun, um ein Wiedererstarken der Hisbollah im Libanon und der Hamas im Gazastreifen zu verhindern. „Wir bekämpfen den Terrorismus weiterhin an allen Fronten“, sagte Netanjahu bei einer Kabinettsitzung.
Dieses Wochenende habe die israelische Armee im Libanon angegriffen, „und wir werden weiterhin alles Notwendige tun“, um zu verhindern, dass die Hisbollah ihre Bedrohungskapazitäten gegen Israel wieder aufbaue, sagte Netanjahu. „Das ist es auch, was wir im Gazastreifen tun.“
Mit Informationen von Moritz Zimmermann, ARD-Studio Tel Aviv








