Brandkatastrophe in der Schweiz Mehr als 80 Verletzte in kritischem Zustand
Stand: 02.01.2026 13:10 Uhr
Nach der Brandkatastrophe in der Schweiz bleibt viel Ungewissheit. Die Identifizierung der Toten ist kompliziert und langwierig. Viele Verletzte befinden sich noch in kritischem Zustand.
Eineinhalb Tage nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana warten Familien in der Schweiz und darüber hinaus auf Klarheit: Ist unsere Tochter, ist unser Sohn unter den Toten? Oder unter den Verletzten, die irgendwo in der Schweiz auf der Intensivstation liegen und noch nicht ansprechbar sind?
Eine totale Trostlosigkeit – so beschreibt Mathias Reynard seine Gefühlslage am Tag nach der Katastrophe in den Schweizer Alpen. Er ist Regierungspräsident des Kantons Wallis, also so etwas wie der Ministerpräsident. Im Gespräch mit dem öffentlich-rechtlichen Schweizer Sender RTS ringt Reynard hörbar um Fassung:
Wissen Sie: Das Schlimmste an der ganzen Sache ist … ich habe mich gestern mit den betroffenen Familien getroffen. Und was in diesem Moment und während der ganzen Nacht und in diesen Stunden schrecklich ist, das ist diese Zeit der Ungewissheit, die vergeht. Das ist etwas Schreckliches, etwas menschlich Unerträgliches.
Regierungspräsident Mathias Reynard
Von den 115 verletzten Personen befinden sich nach Angaben der Walliser Kantonsregierung mindestens 80 in kritischem Zustand. Diese Zahl allerdings beziehe sich nur auf Verletzte, die durch die Walliser Rettungsorganisation KWRO betreut würden, sagte Reynard der Zeitung Walliser Bote. Dazu kämen Verletzte in kritischem Zustand, die auf anderem Wege in die Notfallstationen gebracht worden seien.
„Alle Merkmale eines kollektiven Traumas“
Zu den körperlich Verletzten kommen die vielen seelisch verletzten Menschen – also traumatisierte Menschen; die etwa als Zeugen in Crans-Montana die Katastrophe in der Neujahrsnacht mitbekommen haben, außerdem Ersthelfer und Ersthelferinnen sowie Reporterteams, die ebenfalls schnell vor Ort waren.
„Wir haben hier alle Merkmale eines kollektiven Traumas“, sagte die Psychologin Lamyae Benzakour heute früh im Radiosender RTS. „Sehr wichtig ist nun, dass man eine ‚Solidaritätskette‘ bildet, dass man um dieses Drama herum gemeinsam als Team zusammensteht. Das gehört zu den wirksamen Schutzfaktoren in der Folge eines solchen traumatischen Ereignisses: die soziale Unterstützung.“
Die Zahl der Todesopfer wird von den Schweizer Behörden weiter mit „rund 40“ angegeben. Fachleute verweisen darauf, dass insbesondere das Identifizieren möglicher ausländischer Todesopfer schwierig sei, weil dafür etwa erst DNA-Material der Betroffenen aus ihren Heimatländern in die Schweiz gebracht werden müsse.
Pyro-Fontänen als Ursache?
Die Brandursache ist derweil weiter unklar. Einen terroristischen Anschlag oder eine Explosion hatten die Ermittler gestern ausgeschlossen. Stattdessen richten sich die Fragen nun vor allem auf zwei Dinge. Erstens: Wurde in der betroffenen Bar in Crans-Montana im Keller möglicherweise mit Tischfeuerwerk-artigen Pyro-Fontänen hantiert, die dann Dämmmaterial an der Decke entzündet haben? Veröffentlichte Videos von Gästen aus der Nacht legen das nahe. Und zweitens: Inwiefern haben möglicherweise schlampiger Brandschutz und fehlende Fluchtwege zur Katastrophe beigetragen?
Die Schweiz trauert, auch, aber nicht nur im Kanton Wallis. Viele Flaggen wurden auf halbmast gesetzt. Bundespräsident Guy Parmelin sprach von einer der schlimmsten Tragödien in der Geschichte der Schweiz.









