faq
Wehrdienstreform in Kraft Wehrdienst freiwillig, Hoden-TÜV verpflichtend
Stand: 01.01.2026 09:18 Uhr
Zum 18. Geburtstag bekommen junge Menschen nun einen Fragebogen zur Klärung, ob sie Wehrdienst leisten wollen. Was kommt damit auf sie zu und warum ist das nur für junge Männer verpflichtend? Ein Überblick.
Von Jakob Gaberle, tagesschau.de
Wer Geburtstag hat, der kriegt Karten – das ist nichts Neues. Oma und Opa schreiben einen Brief, darin eine Karte mit Glückwünschen und vielleicht sogar ein Schein. In die Geburtstagspost von frisch Volljährigen mischt sich ab diesem Jahr auch ein Brief von der Bundeswehr. Sie fragt mit einem Fragebogen ihre Wehrwilligkeit ab.
Was ist das für ein Brief von der Bundeswehr?
Kurz nach dem 18. Geburtstag bekommen alle jungen Deutschen einen Fragebogen per Post von der Bundeswehr. Darin ist ein QR-Code, der zu einem digitalen Fragebogen führt. Dieser fragt neben Grundsätzlichem wie Name, Alter, Anschrift, auch die Schulbildung und sonstige Qualifikationen ab. Außerdem wird nach Körpermaßen und einer Selbsteinschätzung der eigenen Fitness gefragt. Das alles soll nur wenige Minuten dauern, wie die Bundeswehr auf tagesschau.de-Nachfrage mitteilt.
Zu guter Letzt erkundigt sich die Bundeswehr in dem Fragebogen danach, ob man einen freiwilligen Wehrdienst leisten will. Wer das bejaht, egal ob Mann oder Frau, muss noch Kontaktdaten abgeben und soll dann bald zur Musterung eingeladen werden, sofern aus den Antworten eine grundsätzliche Tauglichkeit abzuleiten ist.
Die ausgefüllten Fragebögen dienen der Bundeswehr auch dazu, das sie „im Verteidigungsfall auf einen Pool potenzieller Rekrutinnen und Rekruten zurückgreifen“. Junge Frauen müssen auf die Zusendung des Fragebogens übrigens nicht reagieren. Junge Männer hingegen müssen antworten. Wer das nicht tut oder wissentlich lügt, riskiert ein Bußgeld.
Wann beginnt die flächendeckende Musterung?
Die Wehrdienstreform wurde Anfang Dezember im Bundestag verabschiedet. Sie legt fest, dass die flächendeckende Musterung formal mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zum 1. Januar 2026 beginnt.
Männer, die pünktlich zu Neujahr 18 Jahre alt werden und im Fragebogen „Nein“ ankreuzen, müssen sich trotzdem noch nicht darauf einstellen, dass sie bald die Hosen fallen lassen müssen. Denn die Musterungsorganisation befindet sich derzeit noch in Planung und Aufbau, wie die Bundeswehr mitteilt. Deshalb würden zuallererst die gemustert werden, die sich freiwillig verpflichten.
Erklärtes Ziel sind 24 Musterungszentren im Land, ohne dass die Orte dafür schon feststehen. Ab 1. Juli 2027 sollen die fertig sein und dann komplette Jahrgänge gemustert werden. Bis dahin wird sich absehbar ein Rückstau gebildet haben, der abgearbeitet werden muss.
Wie läuft die Musterung ab?
Wie die flächendeckende Musterung konkret abläuft, dazu hält sich die Bundeswehr noch bedeckt. Sie teilt nur mit: „Neben der ärztlichen Untersuchung wird die charakterliche und geistige Eignung mittels einer computerunterstützten (CAT-)Testung ermittelt.“ Geprüft würden unter anderem logisches Denken, Sprachfähigkeiten und technisches Verständnis.
Danach übernimmt der Musterungsarzt. Er fragt nach Erkrankungen und der medizinischen Vorgeschichte, ähnlich wie bei einem regulären Arzttermin. Anschließend wird der Körper untersucht. Dazu gehören beispielsweise ein Seh- und Urintest. Außerdem prüft er Körpergewicht und -größe und die Beweglich- und Belastbarkeit.
Die Bundeswehr spricht davon, im Vergleich zu früheren und derzeitigen Musterungen ein verkürztes Verfahren zu entwickeln.
Der dritte Teil der Musterung ist dann ein Gespräch, in dem Fragen zum Allgemein- und Gesundheitsbefinden gestellt werden. Wissensfragen werden nicht gestellt. Anschließend wird der Musterungsbescheid ausgehändigt.
Werden bei der Musterung immer noch die Hoden abgetastet?
Kurze Antwort: Ja. Mit „dem Griff“ sollen Fälle von Zysten, Knoten oder Hodenkrebs möglichst früh erkannt werden.
Was ist steht im Musterungsbescheid?
Dieses Schreiben fasst alle Befunde zu einem Gesamturteil, dem sogenannten Musterungsergebnis, zusammen. Die sich aus der Musterung ergebenen Tauglichkeitsgrade sind im Wehrpflichtgesetz geregelt und umfassen die grundsätzlichen Stufen: „wehrdienstfähig“, „vorübergehend nicht wehrdienstfähig“ und „nicht wehrdienstfähig“. Die Musterung dient lediglich der Erfassung der Tauglichkeit; sie ist noch keine Verpflichtung.
Das gesamte Procedere soll laut Bundeswehr einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Der Arbeitgeber muss den zu Musternden freistellen und trotzdem Lohn zahlen.
Müssen Kriegsdienstverweigerer auch zur Musterung?
Ähnlich zum alten Grundwehrdienst werden erst einmal alle Männer gemustert, egal, wie sie zum Wehrdienst stehen. Ein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung muss beim Karrierecenter gestellt werden. Die „Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen“ berät dabei.
Aus Gründen der Umsetzbarkeit dauert es noch, bis junge Männer des Jahrgangs 2008 flächendeckend gemustert werden können. Sollten junge Männer in der Zwischenzeit schon ihre Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer beantragen, werden sie trotzdem gemustert, denn ohne Musterung keine Anerkennung.
Warum sind Frauen zu all dem nicht verpflichtet?
Die Unterscheidung von Männern und Frauen regelt das Grundgesetz. Artikel 12a legt fest, dass nur Männer, aber keine Frauen für den Dienst an der Waffe verpflichtet werden dürfen. Also müsste das Grundgesetz verändert werden, damit Frauen bei einer möglichen Wehrpflicht überhaupt mit verpflichtet werden könnten. Um die Verfassung zu ändern, müssten zwei Drittel des Bundestages zustimmen – diese Mehrheitsverhältnisse sind derzeit nicht realistisch.









