Konjunkturausblick 2026 Wie die Wirtschaft angekurbelt werden soll
Stand: 02.01.2026 09:17 Uhr
Deutschland hofft, dass es 2026 wirtschaftlich aufwärts geht. Die Chancen stehen gut, denn das Konjunkturpaket der Bundesregierung dürfte Wirkung zeigen. Herausforderungen bleiben.
Peter Leibinger findet deutliche Worte. „Der Standort Deutschland befindet sich im freien Fall„, so der Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie. Die Industrieproduktion ist bereits das vierte Jahr in Folge ist zurückgegangen. „Das ist keine konjunkturelle Delle, sondern ein struktureller Abstieg.“
Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank, berichtet, dass viele Mittelständler enttäuscht und frustriert sind. „So etwas habe ich in 30, 35 Jahren Berufstätigkeit, noch nicht gesehen.“ Sein Kollege Ulrich Kater von der DekaBank spricht von einem „Crash in Zeitlupe“, weil viele Probleme von einem Jahr ins nächste Jahr mitgeschleppt werden, ohne dass Lösungen in Sicht sind.
Schwierige Monate liegen hinter uns
Stellenstreichungen haben vor allem jene getroffen, die in der Automobilindustrie, im Maschinenbau oder in der Chemiebranche beschäftigt gewesen sind, also in klassischen Industriezweigen.
„Rückläufige Exporte, insbesondere in die USA, sinkende Industrieproduktion und eine maue Konjunktur – das alles sind keine guten Nachrichten für den hiesigen Wirtschaftsstandort“, so der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier. Besonders kleine und mittelgroße Unternehmen geraten zunehmend in Schwierigkeiten.
Konjunkturprognosen werden nach unten korrigiert
Zuletzt haben mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Konjunkturprognosen gesenkt. Für mehr als ein mageres Plus reiche es nicht, so die Ökonomen beim Kiel Institut für Weltwirtschaft. 2026 werde das Bruttoinlandsprodukt um ein Prozent zulegen.
Das ist deutlich weniger als noch im Sommer vorhergesagt. Auch das ifo-Institut hat seine Wachstumsprognosen zurückgenommen. Die Forscher gehen nur noch von einem Plus von 0,8 Prozent aus.
2026 soll besser werden – hoffen zumindest viele
Das Konjunkturpaket der Bundesregierung von 500 Milliarden Euro soll Wirtschaftswachstum hier in Deutschland wieder ankurbeln. Das Geld soll unter anderem in die Infrastruktur und in die Verteidigung fließen. Außerdem sind Steuersenkungen vorgesehen und bürokratischen Hürden sollen abgebaut werden.
„Wenn die Bundesregierung so viel Geld in die Hand nimmt, ist ein höheres Wachstum fast unvermeidlich,“ glaubt Jörg Krämer von der Commerzbank. „Aber es nutzt wenig, viel Geld auszugeben, wenn nicht zugleich umfassende Reformen angepackt werden.“ Sonst würden sich die Standortqualitäten nicht verbessern.. „Insofern trägt das höhere Wirtschaftswachstum die Züge eines Strohfeuers.“
Enorme Substanz pragmatisch nutzen
Dabei habe die deutsche Wirtschaft viel zu bieten, findet Ulrich Kater. Die Substanz des Standortes mit seiner Tradition sei enorm. „Wir kommen aus einer extrem erfolgreichen Zeit. Und die Chancen bestehen darin, dass wir daran wieder anknüpfen.“ Die zunehmende Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz dürften mit dazu beitragen, dass sich Arbeitsabläufe verändern und neue Geschäftsmöglichkeiten entstehen.
Ökonomen wie Martin Lück fordern einen pragmatischeren Ansatz in der Wirtschaftspolitik. Ideen müsse man nicht zu Ende denken, bevor man sie implementiert. „Wir sollten es eher machen wie die amerikanischen Unternehmen, dass man sagt, man probiert einfach mal was aus und guckt dann, ob es funktioniert.“ „Und wenn es funktioniert, kann man es hinterher immer noch regulieren. Problem ist, dass wir in Europa immer zu perfektionistisch unterwegs sind“, sagt Martin Lück.
Die Karten werden neu gemischt
Stefan Mitropoulos von der Helaba vergleicht die große politische Bühne mit einem Kartentisch. Jetzt würden die Karten neu gemischt. Regeln verändern sich – sogar während des Spiels. „Denken sie an Präsident Trump, der hier einer der wichtigsten Spieler ist. Sein wichtigster Gegenspieler China. Und bei diesem großen Spiel der Mächte müssen die Europäer, die Deutschen gucken, dass sie gute Karten haben und sie geschickt ausspielen.“ Es gehört Mut dazu, neue Strategien müssen entwickelt werden – und das weit über das Jahr 2026 hinaus.








