Tödlicher Großbrand in Hongkong „Es ist nichts mehr übrig“
Stand: 27.11.2025 15:15 Uhr
In Hongkong ist der Großbrand in vier von sieben Hochhäusern unter Kontrolle, das Ausmaß der Schäden wird sichtbar, 65 Menschen starben. Untersucht werden nun die Baugerüste und die daran befestigten Schutznetze.
Hongkong am Morgen nach dem tödlichen Feuer: Auf Videos ist zu sehen, wie noch immer Rauchschwaden von den vom Brand geschwärzten Hochhäusern in den Himmel ziehen. Hier und da sind durch die Fenster noch Feuerherde zu sehen.
In vier von sieben Hochhäusern ist das Feuer den Hongkonger Behörden zufolge mittlerweile unter Kontrolle. Die Feuerwehr ist weiterhin im Einsatz. Die Rettungsarbeiten gehen demnach nun in den oberen Stockwerken der restlichen Gebäude weiter.
„Was bleibt uns noch?“
Eine Anwohnerin schaut fassungslos auf die Ruinen ihres Zuhauses. Sie weint. „Alle unsere Habseligkeiten befanden sich in dieser Wohnung“, sagt sie der Nachrichtenagentur Reuters. „Und jetzt, wo alles so verbrannt ist, was bleibt uns noch? Es ist nichts mehr übrig. Was sollen wir jetzt tun?“
Daisy Yan lebt in einem Gebäude gleich neben dem von dem Feuer betroffenen Wohnkomplex. Auch sie wurde vorsichtshalber in Sicherheit gebracht. „Viele meiner Freunde und Freunde von Freunden leben in dieser Wohnanlage“, sagt sie. „Einige sind nicht erreichbar. Jetzt, da ich es selbst erlebe, bin ich sehr beunruhigt.“
Das Feuer war am gestrigen Nachmittag Ortszeit in einem Wohnkomplex im Hongkonger Norden im Stadtteil Tai Po ausgebrochen. Die Wohnanlage umfasst acht Hochhäuser mit insgesamt knapp 2.000 Wohnungen. Das Feuer breitete sich den Behörden zufolge „ungewöhnlich“ schnell über mehrere Hochhäuser aus. Die Brandursache wird derzeit untersucht.
Drei Männer festgenommen
Drei Männer sind unter dem Verdacht der fahrlässigen Tötung festgenommen worden. Dabei handelt es sich laut Polizei um zwei Direktoren und einen technischen Berater einer Baufirma. Die Gebäude waren allesamt mit Bambusbaugerüsten verkleidet – wegen Renovierungsarbeiten. Hongkong ist einer der letzten Orte der Welt, an dem Bambus noch in großem Umfang für Baugerüste verwendet wird.
Die Behörden prüfen nun die Sicherheitsstandards dieser Baugerüste und auch der daran befestigten Schutznetze. „Während der Lösch- und Rettungsarbeiten stellte die Feuerwehr fest, dass die Außenwände des Gebäudes mit Schutznetzen, Membranen, wasserdichten Planen und Plastikfolien versehen waren, die vermutlich nicht den Brandschutznormen entsprachen“, sagt Eileen Chung von der Polizei in Hongkong.
Gleichzeitig hätten die Ermittlungen ergeben, dass in einem nicht betroffenen Gebäude die Fenster der Aufzugslobbys auf jeder Etage mit Schaumstoffmaterial versiegelt seien. Die Ermittler schließen nicht aus, dass diese Schaumstoffe dazu beigetragen haben könnten, dass sich das Feuer so schnell ausbreiten konnte.








