analyse
Stand: 29.11.2025 20:39 Uhr
Die „Junge Alternative“ war gesichert rechtsextrem und schwer zu kontrollieren. Auch deswegen wurde sie aufgelöst und nun von der „Generation Deutschland“ ersetzt. Die will Kaderschmiede sein – aber trotzdem rebellisch.
Eine Analyse von Gabor Halasz, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Gießen
Es sind neue Töne, die Jean-Pascal Hohm anschlägt. Der Vorsitzende der Generation Deutschland spricht von Optimismus. „Deutschland ist noch nicht verloren.“ Ein durchaus bemerkenswerter Satz, denn bislang klingt die AfD anders, malt immer wieder ein Bild von einem Land am Abgrund. Jean-Pascal Hohm möchte jetzt eine Kaderschmiede für die AfD aufbauen – mit Optimismus. Und, auch das ist neu, dafür will er sich der Mutterpartei unterordnen.
Ein „schneidiger Typ“ sei dieser Jean-Pascal Hohm, so sieht es AfD-Chef Tino Chrupalla. Er wünscht sich zwar, dass er das „Rebellische“ ein Stück weit behält. Chrupalla macht aber auch deutlich, dass er nicht immer mit der Parteijugend zufrieden war. „Ihr müsst stets an euch arbeiten“, ruft er von der Bühne. Ein Land zu verändern, sei etwas anderes als eine Demo.
„Das ist auch etwas anderes, als auf ein Gebäude zu klettern, das ist auch was anderes als Fechten, als ein Marsch mit vollem Rucksack oder ein Gitarrenabend am Lagerfeuer“, so Chrupalla. Das sind Worte, die im Saal für Grummeln sorgen. Denn Fechten, Wandern und Aktivismus gehören durchaus zu Dingen, die dem Parteinachwuchs wichtig sind.
Hohm sucht Nähe zu Rechtsextremen
Hohm aber ist voll auf Parteilinie. Was Chrupalla sage, sei absolut richtig. „Wir könnten in naher Zukunft regieren. Und dafür brauchen wir Nachwuchskräfte, die das mit Leben füllen können. Und das erfordert eine gewisse Ausbildung, die man auch erfüllen muss.“ Als Jugendorganisation werde die „Generation Deutschland“ auch mal eine Demonstration organisieren. Hohm betont, er sei ein „Freund des patriotischen Mosaiks, wo wir im Zentrum stehen. Es gibt aktivistische Vorfeldorganisationen, wo man sich engagieren kann, wenn man keine Lust auf Parteiarbeit hat.“
Hohm will mit diesem sogenannten Vorfeld auch in Zukunft zusammenarbeiten, und das ist vor allem rechtsextrem. Der Verleger Götz Kubitschek gehört dazu. Er steht in Gießen persönlich an einem Stand und bietet seine Bücher an. Oder die „Identitäre Bewegung“, von der sich Hohm nicht distanzieren will.
Parteijugend für AfD nicht leicht zu kontrollieren
Der Gründungskongress in Gießen hatte mit mehr als zwei Stunden Verspätung begonnen. 30.000 Menschen protestierten gegen die AfD, die meisten friedlich. Aber Gegendemonstranten hatten auch Straßen blockiert und Polizisten verletzt. Auch Teilnehmer des Jugendkongresses berichten von Angriffen. Ein AfD-Bundestagsabgeordneter wurde verletzt.
Auch die Parteichefs kamen nicht pünktlich nach Gießen. Alice Weidel sagt, sie habe sich Sorgen gemacht. „Rüstet ab“, ruft die AfD-Chefin in ihrem Grußwort von der Bühne. Sie spricht politische Gegner, Gewerkschaften, „Omas gegen rechts“ und Medien an. Sie gibt denen eine Mitschuld. Gewalt sei zutiefst undemokratisch, so Weidel. „Hören Sie auf, uns als rechtsextrem zu diffamieren.“
Weidel hat einen kurzen Auftritt in Gießen. Als der neue Vorsitzende gewählt wird, ist sie schon weg. Wegen Terminen in Baden-Württemberg, heißt es. Am Ende dürfte der Kongress nach ihrem Geschmack gelaufen sein. Aber es zeigte sich auch, dass es nicht ganz so einfach wird, die neue Jugend zu kontrollieren.
Über Monate hatte die AfD-Spitze alles vorbereitet. Eine Personalliste war vorher besprochen, der Name „Generation Deutschland“ war gewählt. Diskussion unerwünscht. Doch es kam anders. Nicht wenige wünschten sich, den alten Namen „Junge Alternative“ zu behalten – auch wenn sie sich am Ende nicht durchsetzen konnten. Ein Hinweis, dass die neue Jugend rebellisch bleiben will – wenn auch kontrollierter.
Parteinachwuchs will sich nicht mäßigen
Der neue Vorsitzende Hohm ist als Rechtsextremist eingestuft. Doch das ist den Teilnehmern hier egal. Immer wenn es gegen den Verfassungsschutz geht, wird es laut in der Halle. Ebenso, wenn Kandidaten von der Bühne rufen, man müsse „abschieben, abschieben, abschieben“. Oder dass nur „millionenfache Remigration Frauen und Kinder schützt“. Ein klares Zeichen, dass die neue Jugendorganisation sich nicht mäßigen wird.
Die „Generation Deutschland“ will professionell sein. Ein Antrag auf Pause wurde abgelehnt – trotz der Verspätung wird der Gründungskongress durchgezogen. Es ist schnell klar, dass man noch am Abend fertig werden will. Denn dann lädt Hohm zur Party mit „sehr viel Bier“.








