Finanzstabilität im Euroraum EZB warnt vor Aktienblasen und Dollar-Schwankungen
Stand: 26.11.2025 13:25 Uhr
Die Risiken für das Finanzsystem sind laut Europäischer Zentralbank gerade hoch. Nicht nur die US-Zollpolitik und Übertreibungen an den Börsen könnten aus Sicht der Währungshüter gefährlich werden.
Handelskonflikte, mögliche Blasen an den Aktienmärkten und Engpässe beim Dollar: Die Risiken für die Finanzstabilität im Euroraum bleiben nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) vielfältig. Zwar habe sich die Unsicherheit in der Handelspolitik seit den Höchstständen im April „deutlich entspannt“.
„Aber die Unsicherheit hält weiterhin an, mit dem Potenzial für erneute Spitzen“, fasst EZB-Vizepräsident Luis de Guindos die Erkenntnisse des halbjährlichen Finanzstabilitätsberichts der Notenbank zusammen.
Gefahr einer Börsenkorrektur
Anfang April hatte US-Präsident Donald Trump mit einem gewaltigen Zollpaket Handelspartner und Finanzmärkte in Aufruhr versetzt. Die Aktienmärkte erholten sich zwar überraschend schnell vom Einbruch. Inzwischen wächst aber die Sorge, dass einzelne Trends überbewertet sind.
Die Finanzmärkte – insbesondere die Aktienmärkte – seien „aufgrund anhaltend hoher Bewertungen und einer zunehmenden Konzentration der Aktienmärkte anfällig für starke Korrekturen“, schreibt die EZB. De Guindos hatte schon kürzlich vor der Gefahr einer Börsenkorrektur gewarnt, die von hoch bewerteten US-Tech-Aktien und der Aufregung rund um Künstliche Intelligenz ausgehen könnte.
Währungs- und Kreditrisiken für Banken
Banken mit einem bedeutenden Dollar-Geschäft fordert die EZB derweil auf, größere Liquiditäts- und Kapitalpuffer zu bilden. Damit sollen sie sich gegen mögliche Engpässe und Schwankungen bei der US-Währung wappnen. Die Frankfurter Währungshüter warnten Banken bereits seit dem Frühjahr. Die Zölle sowie Trumps Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve hatten zuletzt das Vertrauen in die Weltleitwährung erschüttert.
„Es könnten Kapitalpuffer erforderlich sein, um höhere Währungsschwankungen und Kreditrisiken der Gegenpartei abzufedern“, heißt es in dem Bericht. „Banken sollten liquide Dollar-Anlagen halten, um Abflüsse auszugleichen und als stabilisierender Vermittler zu agieren.“ Das Dollar-Geschäft konzentriert sich der EZB zufolge auf einige Schwergewichte der Branche.
Dazu zählen die Deutsche Bank, die französischen Institute BNP Paribas, Credit Agricole, Groupe BPCE und Societe Generale sowie die niederländische ING und die spanische Banco Santander. Typischerweise nehmen diese Banken Mittel an den US-Geldmärkten auf, um Hedgefonds zu finanzieren. Zudem verkaufen sie sogenannte Devisen-Swaps an Versicherer und Unternehmen zur Absicherung von deren Dollar-Risiken.
Geldhäuser verdienen gut
Darüber hinaus könnte es für die Banken zum Problem werden, wenn Unternehmen, die stark von Zöllen betroffen sind, bei der Rückzahlung von Krediten in Schwierigkeiten geraten.
Die gute Nachricht: Grundsätzlich stehen die Geldhäuser im Euroraum aus Sicht der Notenbank, die die größten Banken im Währungsraum direkt überwacht, insgesamt solide da. Die Institute verdienten gut und hätten sich dank reichlicher Reserven für Krisenzeiten „als widerstandsfähig gegenüber den jüngsten Schocks erwiesen“, stellt die EZB fest.










