Stand: 26.11.2025 05:09 Uhr
Das wichtigste europäische Raumfahrtgremium, der ESA-Ministerrat, trifft sich in Bremen. Es geht um Wettbewerbsfähigkeit, Autonomie, Sicherheit und die Verteilung von bis zu 22 Milliarden Euro.
Von Kristian Klooß, Radio Bremen
Europa droht im globalen Raumfahrtwettlauf den Anschluss zu verlieren. „Wir müssen wirtschaftlich aufholen“, sagt Josef Aschbacher, Chef der Weltraumorganisation ESA. Sie stemmt rund 60 Prozent der europäischen Weltraumausgaben. Das Problem: In Europa seien die Investitionen in die Raumfahrt viel geringer als in den USA, sagt Aschbacher.
Auf der am Mittwoch beginnenden ESA-Ministerratskonferenz in Bremen wirbt der Österreicher daher für eine deutliche Erhöhung des Budgets. Wurden beim vergangenen ESA-Gipfel 2022 in Paris noch 16,9 Milliarden Euro genehmigt, schlägt Aschbacher in Bremen nun insgesamt rund 22 Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre vor.
Deutschland, das in Paris noch 3,5 Milliarden Euro eingezahlt hatte, ist mit 21 Prozent des Gesamtbudgets schon jetzt größter Beitragszahler vor Frankreich und Italien. Und das dürfte auch so bleiben. Im Koalitionsvertrag haben SPD und Union bereits eine Ausweitung des eigenen Beitrags angekündigt – und auch die Bundesregierung hat dies zuletzt bestätigt.
Drei Bundesländer könnten profitieren
Davon könnten vor allem drei Bundesländer profitieren: Bremen, Bayern und Baden-Württemberg. In Bremen baut beispielsweise der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus das Antriebs- und Versorgungsmodul für das neue NASA-Mondraumschiff Orion, hier sitzen der Raketenbauer ArianeGroup und der Satellitenbauer OHB. In Bayern zählt vor allem der Raumfahrtstandort Oberpfaffenhofen zu den Schwergewichten der Branche. Dort befindet sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit seinen Kontrollzentren für Erdbeobachtung, Robotik und bemannte Missionen. In Baden-Württemberg hingegen liegt einer der führenden europäischen Industriecluster für Raumfahrttechnik. Das DLR in Lampoldshausen betreibt dort Europas wichtigste Teststände für Raketentriebwerke.
Entsprechend haben sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) und Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) bereits vor dem ESA-Ministerratstreffen in einem Drei-Länder-Papier positioniert – und einen finanziellen Wunschzettel zu Satellitentechnik, Trägersystemen und Co. formuliert.
Solche Wunschzettel legen jedoch auch die Vertreter der anderen ESA-Mitgliedsstaaten auf den Verhandlungstisch. Zur Konferenz nach Bremen werden Delegationen aus 23 Ländern anreisen – mit jeweils eigenen Projekt- und Finanzierungsvorschlägen. Die Veranstalter rechnen mit rund 500 Teilnehmenden.
„Dual Use“ rückt in den Fokus
Hinzu kommt, dass längst nicht mehr nur klassische zivile ESA-Themen wie Wissenschaftsprogramme, Navigations- und Erdbeobachtungssatelliten und verschiedene Missionen zu Mond und Mars im Raum stehen.
Auch wie sich Europas höchstes Raumfahrtgremium strategisch gegenüber privaten Raketenbauern und Satellitenbetreibern wie SpaceX und anderen Staaten positioniert, rückt in den Fokus. „Wir dürfen nicht naiv dahingehend sein und nur zuschauen, was China oder die USA machen“, sagte Bundesraumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU), als sie vergangene Woche gemeinsam mit Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) den Kabinettsbeschluss für die erste deutsche „Weltraumsicherheitsstrategie“ verkündete.
So könnte vom ESA-Ministerratstreffen in Bremen auch ein stärker sicherheitspolitischer Kurs ausgehen, der die eigentlich vor allem zivile Ausrichtung der Raumfahrtbehörde ergänzt. „Mir ist gerade im forschungspolitischen Bereich ganz wichtig, dass wir uns solchen Themen wie Dual Use nicht länger verschließen“, sagte Bär.








