Stand: 24.11.2025 05:00 Uhr
Der abgesetzte Machthaber Dodik hat seinen Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl im serbisch-regierten Teil von Bosnien und Herzegowina durchbekommen. Das Ergebnis ist umstritten – und Experten vermuten, Dodik wird seine Macht behalten.
Die zentrale Wahlkommission verkündete am späten Sonntagabend, dass rund 51 Prozent der Wählerinnen und Wähler für Siniša Karan gestimmt haben. Er ist der Kandidat der serbisch-nationalistischer Regierungspartei SNSD, der auch der abgesetzte Machthaber Milorad Dodik angehört.
Rund 48 Prozent wählten demnach Karans Herausforderer, Branko Blanuša, von der Oppositionspartei SDS. Sie ist auch serbisch-nationalistisch, kritisiert aber die Korruption der aktuellen Regierung.
Karan sieht Bestätigung für Konfrontationskurs
Karan erklärte sich zum Wahlsieger. Er dankte den Wählerinnen und Wählern und wertete das Ergebnis als Zeichen der Unterstützung für den Konfrontationskurs seines Vorgängers Dodik gegen den Gesamtstaat Bosnien und Herzegowina und gegen den Westen.
„Das serbische Volk und die Republika Srpska können alles ertragen. Aber die Erniedrigungen durch Ausländer, die glauben den Willen des serbischen Volkes zu zerstören, die konnten sie niemals ertragen“, sagte Karan bei seiner Siegesrede. Das serbische Volk habe jetzt eine entschlossene Antwort gegeben: „Es sagt nein zu jedem Usurpator, der die Macht an sich reißt. Es entscheidet selbst über sein Schicksal.“
Experten mutmaßen, Dodik bleibt der mächtigste Mann
Die meisten Experten gehen davon aus, dass Karan als Präsident nicht so viel zu sagen haben wird, sondern dass sein Parteichef, Milorad Dodik, weiterhin der mächtigste Mann im Land bleibt. Er hat die Republika Srpska fast 30 Jahre lang autoritär regiert, in verschiedenen Funktionen. Er, seine Familie und seine Freunde kontrollieren die Wirtschaft, die Justiz und die Medien in der Republika Srpska weitgehend.
Dodik musste jetzt sein Amt abgeben, weil er vom Gerichtshof Bosnien und Herzegowinas zu einem sechsjährigen Amtsverbot verurteilt wurde. Dodik hatte eine Separatismuspolitik betrieben, illegale Gesetze in der Republika Srpska unterzeichnet und gesamtstaatliche Institutionen Bosnien und Herzegowinas missachtet.
Separatistische Gesetze annulliert
Zuletzt hatte sich die Lage etwas beruhigt. Das von Dodiks Partei dominierte Parlament der Republika Srpska hatte eine ganze Reihe separatistischer Gesetze annulliert. Dafür wurden Dodik, seine Familie und Freunde von der Sanktionsliste der USA gestrichen. Jetzt sind sie nicht mehr vom internationalen Bankensystem abgekoppelt. Die US-Sanktionen gab es vor einigen Jahren wegen Korruption und wegen Dodiks Destabilisierungspolitik.
Doch Dodik und seine Partei verbreiteten ein ganz anderes Narrativ: Ausländer würden den Serben in Bosnien Böses wollen und er sei der Beschützer seines Volkes. Dieses Narrativ zog jetzt bei den Wählern, die Dodiks Präsidentschaftskandidat, Karan, ihre Stimme gaben.
„Sie lassen es nicht mit sich machen.“
Ein älterer Wähler aus der Stadt Brčko erklärt, warum er Karan unterstützt hat. „Ich bin für Dodik und Karan, weil sie die allerbesten für ihr Volk sind. Sie lassen es nicht mit sich machen. Ich bin schon für den EU-Beitritt, aber da wird von außen ganz schön manipuliert gegen uns Serben.“ Das Gerichtsurteil gegen Dodik sei ein Urteil durch „die anderen“, da hätten die Serben nicht mitreden dürfen, sagt er. „Die, die da was zu sagen haben, das sind alles bosnische Muslime und Ausländer.“
Eine junge Frau aus Brčko sagt: „Die Frage der Identität ist heute in der globalen Welt sehr wichtig. Wenn sie jemanden haben, der ihre Identität verteidigt und beschützt, so dass sie klar und ohne Angst sagen können, dass sie Serbe sind, warum soll man denjenigen nicht unterstützen.“
Zweifel an Wahlergebnis
Dass die Wähler Dodiks tatsächlich in der Mehrheit waren, daran gibt es Zweifel. Das bosnische Wahlbeobachtungs-Bündnis, die NGO „Pod Lupom“ (dt. „Unter der Lupe“), hat bei der Wahl mehr als 30 Manipulationen und Verstöße registriert, so der Sprecher der NGO, Hasan Kamenjaković.
„In den Morgenstunden hatten wir Verstöße gegen das Wahlgeheimnis und es fehlten Wahlunterlagen. Am Nachmittag kamen dann mehr und mehr Meldungen über Druck, der auf die Wähler ausgeübt wurde“, so Kamenjaković. Wähler seien eingeschüchtert worden, sie seien beobachtet und notiert worden. „Wir haben Meldungen über Stimmenkauf. In Brčko haben wir in einem Fall sogar die Polizei gerufen und eine Person wurde festgenommen“, sagt Kamenjaković.
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina ist in den serbisch-regierten Landesteil Republika Srpska, in die bosniakisch-kroatisch regierte Föderation sowie den Brčko-Distrikt als Sonderverwaltungsgebiet unterteilt. Die Teilentitäten verfügen über eigene politische Institutionen und sind durch eine schwache Zentralregierung verbunden. Die Machtverteilung zwischen Serben, Bosniaken und Kroaten wird nach Quoten aufgeteilt. So gibt nicht nur einen, sondern drei Staatspräsidenten für die rund 3,2 Millionen Einwohner.
Oppositionskandidat klagt unfaire Wahl an
Der Oppositionskandidat, Branko Blanuša, nannte das knappe Ergebnis einen großen Erfolg, denn die Wahl sei nicht fair gewesen, auch im Vorfeld nicht. Da sei er von den staatlichen Medien weitgehend ignoriert worden.
„Ich kam nur zweimal im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vor und der SNSD-Kandidat Karan ganze 57 Mal. Das sind offizielle Zahlen von Transparency International“, sagt er. Der Wahltag sei trotzdem sehr erfolgreich gewesen. „Wenn es die Manipulationen nicht gegeben hätte, dann hätte ich meinen Wahlsieg verkünden können“, sagte Blanuša in seiner Rede unmittelbar nach der Wahl.
Siniša Karan wird zunächst nur knapp ein Jahr lang die Legislatur seines Vorgängers Milorad Dodik zu Ende führen. Im Oktober kommenden Jahres gibt es dann noch einmal reguläre Präsidentschaftswahlen in der Republika Srpska.








