Realitätscheck Rente Private Altersvorsorge – ein Muss?
Stand: 27.11.2025 13:14 Uhr
Die Politik streitet noch über die Rentenreform, gleichzeitig schwindet das Vertrauen in die staatliche Rente. Viele Menschen sorgen privat vor. Doch immer noch zu wenige, wie Studien zeigen.
„Alter, was kommt da auf uns zu?“ – unter dieser flapsig formulierten Überschrift hat der Vermögensverwalter Blackrock über 2.000 Erwerbstätige in Deutschland nach ihrer Altersvorsorge-Situation befragt. Danach sind nur 19 Prozent der Befragten zuversichtlich, dass ihr Erspartes für den Ruhestand reichen wird.
„Wir stehen vor einem großen Reformbedarf“, sagt Blackrock-Deutschlandchef Dirk Schmitz gegenüber der ARD-Finanzredaktion. „Über 80 Prozent der Befragten glauben nicht, dass die staatlich zugesagte Rente auch wirklich so gezahlt wird,“ so Schmitz. „Nur ein Drittel der Deutschen fühlten sich gut auf den Ruhestand vorbereitet. Das zeigt, dass eine enorme Unsicherheit vorhanden ist und dass wir unsere Alterssysteme reformieren müssen.“
Die Menschen sind länger im Ruhestand
Das umlagefinanzierte Rentensystem komme an seine Grenzen, so Schmitz. Schon jetzt zahlt der Staat jährlich rund 100 Milliarden Euro aus Steuermitteln in die Rentenkasse ein. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft hat jüngst erst gezeigt, dass die Sozialausgaben in Deutschland die Höchsten im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sind. Die Rentenzuschüsse machten dabei einen Großteil des jährlichen Haushalts aus.
Das Rentensystem ist also jetzt schon defizitär. Und diese Defizite werden über die Zeit ansteigen, warnt Blackrock-Deutschlandchef Schmitz. „Dafür gibt es zwei Gründe, zum einen den demographischen Wandel. Pro Rentner gibt es immer weniger Erwerbstätige, die für die Rente dieses Rentners aufkommen. Und zum Zweiten verbringen die Leute viel mehr Jahre im Ruhestand. Während man vor einigen Jahrzehnten zehn Jahre in Rente war, ist man heute knapp 20 Jahre in Rente.“
Die Minderheit fühlt sich vorbereitet
Weniger als die Hälfte der Befragten fühlt sich finanziell gut auf den Ruhestand vorbereitet. Besonders groß seien die Sorgen bei Personen kurz vor dem Renteneintritt und bei vielen Frauen. Nur eine kleine Minderheit hat danach das Gefühl, ihre finanzielle Lage voll im Griff zu haben. Wichtig sei daher der Zugang zu Informationen.
Aber es geht auch um ganz grundsätzliche Änderungen. Aus Sicht des Blackrock-Managers muss Deutschland stärker umstellen auf ein kapitalstockfinanziertes System. Als Teil der Finanzbranche hat der Vermögensverwalter daran auch handfeste wirtschaftliche Interessen. Schon jetzt seien weltweit über die Hälfte des von Blackrock verwalteten Vermögens für die Altersvorsorge bestimmt.
Warten auf den Staat lohnt sich nicht
Auch immer mehr Menschen in Deutschland sehen die Notwendigkeit, am Kapitalmarkt fürs Alter vorzusorgen. Nach Zahlen des deutschen Aktieninstituts waren es im vergangenen Jahr zwölf Millionen Bürger, die in Aktien oder ETF-Sparpläne Geld angelegt haben. Christian W. Röhl von der Investment-Plattform Sclable Capital sieht ein Umdenken – gerade bei jüngeren Menschen. „Und der Durchschnitt wird sich nach unten weiter verschieben, denn seit einigen Wochen bieten wir schon die Kinder-Konten an. Also quasi mit der Geburt, sobald die Geburtsurkunde da ist, können die Eltern ein Konto eröffnen gleich loslegen mit dem Sparen fürs Kind.“
Während die Politik noch über die sogenannte Frühstart-Rente diskutiert, schaffen Depot-Anbieter schon Fakten. Es lohne sich nicht, auf den Staat zu warten, bis irgendwann mal eine Förderung für den Vermögensaufbau komme, so Röhl. Dennoch würde sich der Kapitalmarktkenner deutlich mehr staatliche Anreize wünschen. „Wir brauchen vom Staat ein klares Signal: ‚Sparen am Kapitalmarkt ist eine gute Sache‘. Da kann man sich orientieren am Vorbild USA oder Skandinavien, wo es ein steuerbegünstigtes Altersvorsorgedepot, wo man bis zu bestimmten Grenzen den Gewinn nicht versteuern muss, sondern den Zinseszinseffekt immer wieder jedes Jahr brutto für netto hat.“
Vorbild Niederlande, Skandinavien, Großbritannien und die USA
Auch Blackrock-Deutschlandchef Schmitz nennt die USA, Großbritannien, die Niederlande und die Skandinavischen Länder als Vorbild und beruft sich auf Zahlen der OECD. „Während wir in Deutschland ungefähr 55 Prozent als durchschnittliches Renteneinkommen haben, bezogen aufs letzte Netto-Gehalt, liegen diese Länder zum Teil bei über 70 Prozent.“ Die genannten Länger hätten zudem ein stark Kapitalstock-basiertes System, so Schmitz gegenüber tagesschau.de. „Diese Länder haben teilweise ein gesamtes jährliches Bruttosozialprodukt beiseite gelegt für die Rente. Wir in Deutschland haben fast gar nichts beiseite gelegt für die Rente.“
Das spiegelt sich auch in der Befragung von Blackrock wider. Weniger als die Hälfte der Befragten fühlt sich finanziell gut auf den Ruhestand vorbereitet. Dabei schneidet die jüngere Generation etwas besser ab. Nicht nur, weil ihr für die Altersvorsorge mehr Zeit bleibt, sondern auch, weil sie sich besser über Anlagemöglichkeiten informiere und häufiger digitale Tools und Ressourcen für ihre Finanzplanung nutze.








