Superwahljahr Welche Wahlen 2026 spannend werden
Stand: 03.01.2026 04:11 Uhr
Fünf Landtagswahlen könnten 2026 politischen Kräfteverhältnisse aufmischen. Umfragen zufolge legt die AfD überall kräftig zu, während Regierungsparteien zum Teil deutlich nachgeben. Ein Ausblick.
Die AfD im Aufwind auch im Westen, während an den Landesregierungen beteiligte Parteien in den Umfragen nachgeben: eine Entwicklung, die die gewohnten politischen Konstellationen im nächsten Jahr weiter durcheinanderwirbeln könnte.
Wahlforscher Stefan Merz von Infratest dimap rechnet im Gespräch mit tagesschau.de damit, dass Regierungsbildungen komplizierter werden. „Es ist eine Entwicklung, die seit einiger Zeit anhält. Wir werden kleine lagerinterne Koalitionen, die früher der Regelfall waren, aller Voraussicht nach kaum noch haben.“
Der Trend im Osten: Allparteienkoalitionen gegen die AfD oder Minderheitsregierungen, wie wir sie jetzt schon in Thüringen und Sachsen haben.
AfD im Umfragehoch, auch Linke könnte 2026 zulegen
Der zu erwartende Zuwachs der AfD in den Ländern liege vor allem daran, „dass sie auf der bundespolitischen Ebene im Moment viel mehr Unterstützung hat als vor Jahren“, sagt Merz. Spannend werde sein, ob sich der Aufschwung der Linken bei der Bundestagswahl in den Ländern fortsetzt. Der Einzug der Partei in die Landtage von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wäre eine Premiere.
Stefan Merz rechnet fest damit, dass die AfD kräftig hinzugewinnt. Und auch ein Erstarken der Linken in den Ländern hält er für möglich. Dass die Regierungsparteien am Wahltag selbst verlieren werden, sei dagegen nicht ausgemacht. Die Popularität des einen oder anderen Ministerpräsidenten sei nicht zu unterschätzen, was die derzeitigen Umfragewerte am Wahltag „durchaus kräftig verändern“ könne.
Baden-Württemberg: Cem Özdemir als Ministerpräsident?
Das Wahljahr 2026 beginnt am 8. März mit den Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Derzeit wird das Land von einer grün-schwarzen Koalition regiert. In den letzten Umfragen geben die Grünen deutlich nach, während die CDU leicht und die AfD kräftig zulegt. Wird es im nächsten Jahr einen CDU-Ministerpräsidenten geben?
Für Stefan Merz steht das keineswegs fest. „Die Menschen in Baden-Württemberg bevorzugen ganz eindeutig den grünen Kandidaten Cem Özdemir als nächsten Ministerpräsidenten.“ Wenn es ihm gelänge, „die Personenfrage ganz ins Zentrum des Wahlkampfs zu stellen und die Vorbehalte gegenüber den Grünen, die es gibt, ins Leere laufen zu lassen, dann hat er durchaus die Chance nicht nur auf Platz zwei, sondern sogar auf Platz eins am Wahltag.“
Ein neues Regierungsbündnis gibt es mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in Rheinland-Pfalz, wo am 22. März abgestimmt wird. Die bisherige Koalition aus SPD, Grünen und FDP hat in den letzten Umfragen keine Mehrheit mehr. Denkbar ist ein SPD-CDU-Bündnis nach der Wahl. „Aber wer diese Koalition anführen wird, da das ist zum jetzigen Zeitpunkt in meinen Augen noch offen“, sagt Stefan Merz. Auch hier könnten die guten Kopfnoten für den amtierenden Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer (SPD) den Ausschlag geben. Beide Parteien haben allerdings Gegenwind aus der Bundespolitik zu erwarten.
Kipppunkt Sachsen-Anhalt: Bricht die Brandmauer?
Die Wähler in Sachsen-Anhalt gelten als die experimentierfreudigsten in Deutschland. Werden sie am 6. September 2026 der AfD zur absoluten Mehrheit verhelfen und damit zum ersten Ministerpräsidenten aus den Reihen der Partei? Wahlforscher Merz schränkt ein: „Ein solches Szenario bietet ein ganz beträchtliches Gegenmobilisierungspotenzial. Das haben wir bei ostdeutschen Wahlen schon oft erlebt.“
Für den Fall, dass die AfD die absolute Mehrheit nicht erreicht, hält er eine CDU-geführte Minderheitsregierung derzeit für am realistischsten, „die sich von der Linken und vielleicht auch dem BSW tolerieren lässt. Also ein ähnliches Modell wie wir es jetzt in Thüringen und Sachsen haben.“
Bricht in Sachsen-Anhalt die Brandmauer der CDU gegenüber der AfD, wie gemutmaßt wird? Wahlforscher Merz rechnet nicht damit. Je stärker die AfD werde, „desto unwahrscheinlicher ist eine Zusammenarbeit.“ In einer solchen Konstellation wäre die CDU der Juniorpartner der AfD – „und das kann ich mir sowohl in Tolerierung als auch in einer echten Koalition nur schwer vorstellen.“
Wahrscheinlicher als dieses Szenario sei, dass eine von der AfD geführte Minderheitsregierung mit einzelnen Abgeordnete einer anderen Partei Mehrheiten organisiert.
Minderheitsregierungen als Ost-Standard?
Solange niemand mit der AfD zusammenarbeiten will und die CDU ihren Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der Linken aufrechterhält, bleiben im Osten nur Minderheitsregierungen. In Mecklenburg-Vorpommern, wo am 20. September ein neuer Landtag gewählt wird, wäre es allerdings voraussichtlich eine SPD-geführte.
Davon geht Wahlforscher Merz aus. Er sagt: „Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ist zwar nicht mehr ganz so populär wie noch vor der letzten Wahl.“ Ihre SPD werde aber „sehr wahrscheinlich“ vor den anderen Parteien liegen – mit Ausnahme der AfD.
Im Bundesland Berlin wird die CDU-SPD-Koalition wohl nicht weitermachen können. Zumindest deuten die Umfragen darauf hin, in denen – dem Bundestrend entsprechend – AfD und Linke zulegen. „Es spricht viel dafür, dass es in Berlin rechnerisch für eine Mehrheit aus SPD, Grünen und Linken reichen würde“, sagt Stefan Merz. Zu welcher Koalition es am Ende tatsächlich kommt, sei „keine Frage der Mathematik mehr“, sondern liege in der Entscheidung der möglichen Partner. Möglicherweise stehen SPD und Grüne vor der Entscheidung, ob sie Juniorpartner der CDU werden oder Juniorpartner der Linken.








