Stand: 29.11.2025 15:51 Uhr
Die AfD hat in Gießen ihre neue Jugendorganisation gegründet und den brandenburgischen Landtagsabgeordneten Hohm zum Vorsitzenden gewählt. Die Veranstaltung konnte wegen massiver Proteste erst deutlich verspätet beginnen.
Ein Gründungskongress hat das Statut für die neue AfD-Jugendorganisation beschlossen. Eine deutliche Mehrheit der künftigen Mitglieder stimmte bei dem Treffen in Gießen für den vorgelegten Entwurf des Statuts. Als Name für die Jugendorganisation wurde darin „Generation Deutschland“ festgelegt.
Für die Organisation soll eine Altersgrenze von 35 Jahren gelten. Anders als bei der „Jungen Alternative“ muss jedes Mitglied der neuen Jugendorganisation auch der AfD angehören und ist damit disziplinarisch der Mutterpartei unterworfen.
Landtagsabgeordneter Hohm erster Vorsitzender
Wie erwartet wurde der brandenburgische AfD-Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm zum Vorsitzenden der „Generation Deutschland“ gewählt. Der 28-Jährige erhielt 633 der insgesamt 725 Stimmen. Ohne Enthaltungen sind das laut Sitzungsleitung 90,4 Prozent, Gegenkandidaten gab es nicht.
„Deutschland ist noch nicht verloren“, sagte Hohm nach seiner Wahl. „Wir wollen und werden auch die Jugendbewegung des Optimismus und der Zuversicht sein.“ Eine bessere Wirtschafts-, Migrations- und Familienpolitik seien möglich. Man werde entschlossen streiten, für eine „echte Migrationswende, die dafür sorgt, dass Deutschland das Land und die Heimat der Deutschen bleibt“. Hohm, der vom Brandenburger Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird, sagte, man wolle eng mit dem sogenannten politischen Vorfeld zusammenarbeiten.
Enger an Mutterpartei angebunden
„Generation Deutschland“ soll daher deutlich enger an die Partei angegliedert werden als die Vorgängerorganisation „Junge Alternative“ (JA), die als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und im Frühjahr aufgelöst wurde. Die JA war als eigenständiger Verein nur lose an die AfD angebunden. Mitglieder – mit Ausnahme der Vorstände – mussten nicht Mitglied der Partei sein und agierten weitgehend unabhängig. Die AfD hatte daher wenig Einfluss auf das Verhalten der JA, was bei extremen Vorfällen regelmäßig auf das Image der Partei zurückfiel.
„Wir erwarten von der neuen Jugendorganisation, dass sie sich in den Dienst der Partei stellt“, sagte Co-AfD-Chef Tino Chrupalla zum Auftakt des zweitägigen Gründungstreffens in Gießen. Die „Generation Deutschland“ müsse zu einer „echten Parteijugend“ werden.
Chrupalla sagte jedoch in seiner Ansprache an die künftigen Mitglieder der Jugendorganisation: „Ihr dürft auch Fehler machen.“ Parteijugend heiße nicht „Gewächshaus“: „Wir ziehen keine Pflänzchen heran, um isoliert von der Außenwelt ihren Wuchs zu bestimmen.“
Weidel will „Kaderschmiede“ für Partei
AfD-Co-Chefin Alice Weidel betonte, die Parteijugend müsse sich als „Kaderschmiede“ für die Partei verstehen. „Ihr seid die nächste Generation nach mir, nach Tino Chrupalla, nach den Alten hier, die unser Land führen.“ Mit Blick auf die Rekrutierung von Nachwuchskräften für die Partei sagte sie: „Ich möchte, dass wir eine starke zweite und dritte Reihe haben.“
Proteste und Blockaden verzögerten Beginn
Die Veranstaltung hatte wegen zahlreicher Blockaden der Zufahrtswege erst mit zwei Stunden Verspätungen begonnen. Viele der Plätze in der Halle waren auch zu Beginn der Veranstaltung noch leer.
In der Innenstadt von Gießen und rund um die Veranstaltungshalle hatte sich wie erwartet massiver Widerstand aus Politik und Zivilbevölkerung formiert.
AfD-Abgeordneter angegriffen
Nach Weidels Angaben wurde am Rande der Proteste der AfD-Bundestagsabgeordnete Julian Schmidt „zusammengeschlagen“. Der Politiker erklärte der Nachrichtenagentur dpa, er sei nach dem Abstellen des Autos in der Nähe der Halle von rund 20 Leuten angegriffen worden. Blaue und rote Flecken auf Nase und Jochbein seien Folgen des Angriffs. Er sprach von einer neuen Qualität der Konfrontation.
Die Polizei sagte, ein AfD-Bundestagsabgeordneter sei in Heuchelheim, einer Nachbargemeinde von Gießen, verletzt und der mutmaßliche Täter festgenommen worden.
Das Protestbündnis „Widersetzen“ versuchte, mit Straßenblockaden den Zugang zu der Veranstaltung zu blockieren. An einer Bundesstraße hätten die Beamten Wasserwerfer zur Räumung von rund 2.000 Blockiererinnen und Blockierern eingesetzt. An einer anderen Blockade seien Polizisten mit Steinen beworfen worden und hätten Pfefferspray eingesetzt.
Nach Angaben der Polizei wurden bis zum frühen Nachmittag zehn bis 15 Beamte leicht verletzt. Insgesamt seien bis zu 5.000 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz, sagte der Präsident des Polizeipräsidiums Mittelhessen, Torsten Krückemeier.
In der Innenstadt verläuft eine Demonstration eines Bündnisses, dem unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund angehört, nach Polizeiangaben mit einer Teilnehmerzahl am Vormittag „im unteren fünfstelligen Bereich“ bisher weitgehend friedlich.
Weidel, Merz und Dobrindt kritisieren Blockaden
Weidel kritisierte die Proteste gegen das Gründungstreffen scharf als „zutiefst undemokratisch“. Sie sprach von einer „Gewaltbereitschaft, vor der man sich regelrecht fürchten muss“.
Bundeskanzler Friedrich Merz kritisierte die Auseinandersetzungen ebenfalls: „Sie werden heute Abend Fernsehbilder aus der Stadt Gießen sehen, die alles andere als erfreulich sind, eine Auseinandersetzung zwischen ganz links und ganz rechts“, sagte Merz beim Landesparteitag der sachsen-anhaltischen CDU in Magdeburg.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt kritisiert die Gewaltbereitschaft einiger Demonstrantinnen und Demonstranten scharf. „Demonstrieren ist ein Grundrecht, deswegen muss man das ermöglichen. Sich versammeln ist auch ein Grundrecht, das muss man auch ermöglichen“, sagte der CSU-Politiker in einer Rede beim Landesparteitag der sächsischen CDU in Leipzig. Es gebe aber kein Grundrecht, das es rechtfertige, gewaltsam gegen Sicherheitskräfte vorzugehen.










