Umfrage der GDL Viele Lokführer zweifeln an internen Warnsystemen
Stand: 24.11.2025 19:57 Uhr
Wie verlässlich sind die sicherheitsrelevanten Meldesysteme der Bahn? Diese Frage stellt sich, nicht zuletzt seit dem Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen 2022, auch die Lokführergewerkschaft GDL – und sieht große Defizite.
Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn haben offenbar das Vertrauen in die Systeme, über die Lokführer Störungen oder potenzielle Gefahren melden können, verloren. Das geht aus einer Umfrage der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hervor. Zuvor hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet.
Die jetzt veröffentlichte, interne Umfrage unter Eisenbahnern ist nach Angaben der GDL vor dem Hintergrund eines Berichts der Anwaltskanzlei Gleiss Lutz zum Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen durchgeführt worden, bei dem 2022 fünf Menschen starben. Der Bericht hatte im September systematische Defizite im Umgang mit Hinweisen im Vorfeld des Unglücks offengelegt.
Ein inzwischen pensionierter Fahrdienstleiter und ein Bezirksleiter stehen seit Ende Oktober in München vor Gericht. Laut Gutachten waren schadhafte Betonschwellen die Hauptursache für das Unglück. In dem Prozess geht es um die Frage, ob die Angeklagten eine Mitschuld tragen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Bezirksleiter vor, die Betonschwellen trotz Hinweisen nicht frühzeitig ausgetauscht zu haben. Der Fahrdienstleiter soll am Vorabend des Unglücks den Hinweis eines Lokführers auf einen „Schlenkerer“ im Gleis nicht weitergegeben haben.
80 Prozent bemängeln fehlende Rückmeldung
Laut der GDL-Umfrage mussten 67 Prozent der Befragten im vergangenen Jahr selbst eine solche, oft sicherheitsrelevante, Meldung absetzen. Fast drei Viertel (74 Prozent) berichten von einer Zunahme solcher Meldungen in den vergangenen drei Jahren. Meldungen werden abgesetzt, wenn Lokführern Mängel an der Bahn-Infrastruktur auffallen – Fehler an Signalen beispielsweise, Störungen oder Mängel an den Gleisen.
Laut Umfrage sinkt jedoch das Vertrauen in dieses Bahn-interne Meldesystem: Über 50 Prozent der befragten Eisenbahner halten das System demnach für wenig oder nicht verlässlich. Fast 80 Prozent hätten angeben, „nie“ oder „selten“ eine direkte Rückmeldung auf ihre Meldungen zu erhalten, teilte die GDL mit. Das hätte mitunter problematische Folgen auf das Meldeverhalten der Lokführer: 16 Prozent der befragten Beschäftigten gaben demnach an, „nur noch in kritischen Fällen“ Meldungen abzusetzen, weil ihnen das Vertrauen in den Prozess fehle.
Die Beschäftigten wüssten also nicht, ob ihre Hinweise geprüft, Anlagen repariert oder sogenannte Langsamfahrstellen eingerichtet würden, so die GDL. „Wer die Sorgen und Eindrücke der Eisenbahner ignoriert, riskiert, an der Realität vorbei zu entscheiden“, zitierte die Süddeutsche Zeitung GDL-Chef Mario Reiß. „Ohne verlässliche Informationsketten kann kein Vertrauen entstehen – und ohne Vertrauen funktioniert keine Sicherheitskultur“, sagte er demnach weiter.
Bahn: Mängel werden aktiv nachverfolgt
Ein Sprecher der Deutschen Bahn teilte auf Anfrage von tagesschau.de mit, es habe bereits zum Zeitpunkt des Unfalls bei Garmisch-Partenkirchen am 3. Juni 2022 entsprechende Richtlinien zum Umgang mit Hinweisen zu Mängeln am Oberbau gegeben. Eine Rückmeldung an die jeweiligen Zugführer sei dabei nicht vorgesehen.
„Im Rahmen der zahlreichen und umfassenden Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherungsmaßnahmen nach dem Unfall wurden unter anderem auch diese Richtlinien überprüft und angepasst.“ Es gebe „klar definierte und verpflichtende Handlungsanweisungen für Fahrdienstleiter, die nach entsprechenden Meldungen von Lokführern oder Dritten umgesetzt werden müssen“.
So müssten etwas Funk-Gespräche zwischen Lokführer und Fahrdienstleiter aufgezeichnet und nachvollziehbar sein. Meldungen über Mängel würden aktiv nachverfolgt und Hinweise „in allen Fällen geprüft und die entsprechenden Anlagen repariert“.








