Forderung des EU-Parlaments Kommt das Mindestalter für soziale Medien?
Stand: 26.11.2025 15:51 Uhr
Das EU-Parlament hat Forderungen für mehr Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz beschlossen. Dabei geht es auch um Altersgrenzen für die Nutzung von Social Media – ähnlich dem Vorbild in Australien.
In zwei Wochen, am 10. Dezember, geht es in Australien los: Das Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 tritt in Kraft.
TikTok, Facebook, Instagram und Co. holen derzeit die Altersnachweise ihrer Nutzer ein. Accounts von Unter-16-Jährigen werden gesperrt.
„Kinder besonders gefährdet“
Europa sollte einen ähnlichen Weg gehen, fordert Katarina Barley, Vizepräsidentin des EU-Parlaments. „Eltern können heute kaum noch kontrollieren, welchen Inhalten ihre Kinder online begegnen. Dort sind sie schädlichen und expliziten Inhalten, manipulativen KI-Chatbots und süchtig machenden Algorithmen ausgesetzt.“
Durch diese Mechanismen seien Kinder besonders gefährdet, sagt Barley – „mit Folgen wie Depressionen, verzerrtem Körperbild, Einsamkeit, verminderter Konzentrationsfähigkeit und Schlafproblemen“.
Keine Nutzung unter 13; unter 16 mit Zustimmung der Eltern
Konkret hat das EU-Parlament heute eine Initiative beschlossen, die die EU-Kommission auffordert, daraus einen Gesetzesvorschlag für Europa zu entwickeln. Der müsse die folgenden Punkte enthalten: ein Verbot von Social-Media-Plattformen für alle unter 13 Jahren sowie für Video-Plattformen wie YouTube und für sogenannte „KI-Begleiter“ – also Apps, die im Alltag Fragen beantworten, aber auch Freundschaft und Nähe simulieren.
Jugendliche im Alter zwischen 13 und 16 Jahren sollen die Netzwerke nur mit Zustimmung der Eltern nutzen können.
Die Macht der Algorithmen
Christel Schaldemose, EU-Abgeordnete der dänischen Sozialdemokraten, sagt, in Dänemark gäben die Hälfte aller Jugendlichen an, in den sozialen Medien gewalttätige und anstößige Inhalte zu sehen oder sich in endlosen Diskussionen zu verlieren.
Zudem mache Werbung die Hälfte aller online konsumierten Inhalte in Dänemark aus. „Daher möchten fast 70 Prozent weniger Zeit in sozialen Medien verbringen. Und die Eltern sagen: Wir brauchen Unterstützung. Denn kein Elternteil und kein Kind kann sich allein gegen die Macht dieser algorithmischen Systeme behaupten“, meint Schaldemose.
App zur Verifikation des Alters
Das Parlament fordert eine sichere, verlässliche Methode der Alterskontrolle, die sparsam und schützend mit den Daten der Nutzerinnen und Nutzer umgeht. In diese Richtung geht auch die Altersverifikations-App, die die EU-Kommission entwickelt hat.
Auf dieser Basis hat Griechenland bereits eine nationale App gebaut und testet seit rund einem Monat die Alterskontrolle im Netz. Dänemark wird dem Beispiel folgen. Auch Spanien, Italien und Belgien arbeiten schon daran, den EU-Prototypen in nationale Form zu gießen.
Auf dem Smartphone installiert, speichern die Apps über ein Ausweisdokument das Alter des Nutzers. Ist er oder sie zu jung, blockiert die „Kids Wallet“ auf diesem Handy den Zugang zu Facebook und Co.
EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen erklärt: „Diese App kann einen globalen Standard für Alterstests setzen, ohne dass jemand seine Daten an Online-Plattformen weitergeben muss.“
„Müssen gesetzliche Lücken schließen“
Aber das Thema „Schutz für Minderjährige im Netz“ sei weit größer, betonen die EU-Parlamentarier heute. Wie Andreas Schwab von der CDU und Sprecher der konservativen EVP-Fraktion für Binnenmarkt und Verbraucherschutz: „97 Prozent der jungen Menschen sind täglich online, viele nahezu ständig“. Dabei seien sie besonders gefährdet durch manipulative Designs, süchtig machende Mechanismen und schädliche Inhalte.
„Wir müssen gesetzliche Lücken schließen, von Dark Patterns bis zu gezielter Werbung an Minderjährige. Europa braucht Regeln, die mit der Dynamik der digitalen Welt Schritt halten und Kindern die Chancen auf digitale Bildung und Teilhabe nicht einschränken“, so Schwab.
Bis Jahresende soll auch die australische Erfahrung in einen neuen Plan für Europas Social-Media-Regeln einfließen, wie EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen bereits angekündigt hat.








