Brasiliens Ex-Präsident Bolsonaro beschädigte Fußfessel wegen „Paranoia“
Stand: 23.11.2025 21:03 Uhr
Weil er seine Fußfessel beschädigte, sitzt Brasiliens Ex-Präsident Bolsonaro mittlerweile in Haft. Erst gab er an, aus „Neugier“ einen Lötkolben an die Fessel gehalten zu haben. Nun nennt er „eine gewisse Paranoia“ als Grund.
Der wegen eines Putschversuchs zu langjähriger Haft verurteilte brasilianische Ex-Präsident Jair Bolsonaro hat seine Fußfessel nach eigenen Angaben in einem Zustand geistiger Verwirrung beschädigt. Bolsonaro gab vor dem Obersten Gericht an, er habe zwischen Freitag und Samstag wegen der Einnahme von Medikamenten „eine gewisse Paranoia verspürt“. Das geht aus einem Gerichtsdokument hervor, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt.
Er habe „Halluzinationen“ gehabt und geglaubt, in der elektronischen Fußfessel befinde sich ein Abhörgerät, sagte Bolsonaro demnach. Der 70-Jährige beteuerte laut dem Gerichtsdokument aber, „er habe keinerlei Absicht gehabt zu fliehen“.
In einem am Samstag veröffentlichten Video hatte Bolsonaro noch gesagt, er habe aus „Neugier“ einen Lötkolben an seine Fußfessel gehalten. In dem Video war das stark beschädigte und Brandspuren aufweisende Gerät zu sehen, das sich jedoch noch immer am Knöchel des Ex-Präsidenten befand.
Wegen Fluchtgefahr in Haft genommen
Bolsonaro war nach der Beschädigung seiner elektronischen Fußfessel wegen Fluchtgefahr in Haft genommen worden. Auf Anweisung des Obersten Gerichts wurde er vom Hausarrest ins Gefängnis verlegt.
Das Gericht hatte den ultrarechten früheren Staatschef im September wegen eines geplanten Umsturzes zu mehr als 27 Jahren Gefängnis verurteilt. Vor wenigen Tagen wies das Oberste Gericht seine Berufung gegen das Urteil ab. Bolsonaro, der Brasilien von 2019 bis 2022 regierte, war schuldig gesprochen worden, eine „kriminelle Organisation“ angeführt zu haben, die seine Wahlniederlage von 2022 gegen den heutigen linksgerichteten Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva kippen wollte.
Bolsonaros Anhänger verwüsteten Regierungsgebäude
Das Oberste Gericht gelangte zu dem Schluss, dass er seine Anhänger zur Erstürmung des Obersten Gerichts, des Präsidentenpalastes und des Kongresses in der Hauptstadt Brasília am 8. Januar 2023 angestiftet hatte. Hunderte Unterstützer Bolsonaros waren damals in die Gebäude eingedrungen und hatten dort schwere Verwüstungen angerichtet. Die Szenen der Gewalt erinnerten an den Angriff von Anhängern des damals abgewählten US-Präsidenten Donald Trump auf das Kapitol in Washington zwei Jahre zuvor.
Der frühere brasilianische Staatschef befand sich seit August im Hausarrest. Am Freitag hatten seine Anwälte beantragt, dass er seine Haftstrafe auch im Hausarrest absitzen kann. Zur Begründung argumentierten sie, eine Haft gefährde die Gesundheit des 70-Jährigen.








