Nachruf auf Hollywood-Star Schauspieler Udo Kier gestorben
Stand: 24.11.2025 12:21 Uhr
Mit seinem stechenden Blick als Markenzeichen war Udo Kier in Hollywood so erfolgreich wie kaum ein anderer deutscher Schauspieler. Nun ist er im Alter von 81 Jahren gestorben. Seiner Heimatstadt Köln blieb er immer eng verbunden.
Gerade ist eine neue Verfilmung der „Frankenstein“-Vorlage in die Kinos gekommen, von keinem geringeren als Guillermo del Toro. Etwa zwei Dutzend Verfilmungen gibt es insgesamt, aber die mit Udo Kier als Baron Frankenstein aus dem Jahr 1973 sticht heraus. Nicht nur, weil sie im 3D-Verfahren Spacevision gedreht wurde. Kein Geringerer als Andy Warhol produzierte den Film. Regie führte Paul Morrissey, den Udo Kier zufällig im Flugzeug kennengelernt hatte.
Er sei „Hans im Glück“ gewesen, erzählte Kier später. Denn der Mann habe neben ihm gesessen und gefragt: „Was machen Sie denn so?“ Auf Kiers Antwort „ich bin Schauspieler“ habe Morrissey sich die Nummer von Kier in seinen Pass schreiben lassen und gesagt, dass er für Andy Warhol arbeitet.
Intensiver Blick, markante Stimme
Wenig später stand man gemeinsam am Set für eine irrwitzig trashige und damals sehr freizügige Produktion. Dass Kier im Interview anlässlich der Verleihung des Teddy Awards für sein Lebenswerk den in den USA angeblich stereotypen Deutschen Hans erwähnt, ist natürlich kein Zufall. In seinem ersten Hollywood-Erfolg, dem Coming-of-Age-Drama „My Own Private Idaho“, spielte Udo Kier nämlich genau den.
In dem Roadmovie spielt Kier an der Seite von Keanu Reeves und River Phoenix. Kier übernahm oft Rollen als exzentrischer, androgyner Antiheld. Der stechende Blick seiner blauen Augen und die markante Stimme machten ihn dabei unverwechselbar.
Kier starb übereinstimmenden Medienberichten zufolge gestern im kalifornischen Palm Springs. Obwohl er ab 1991 dort fest lebte, wirkte Kier auch weiterhin in zahlreichen europäischen Produktionen mit. Mit Lars von Trier drehte er unter anderem „Breaking the Waves“ und „Melancholia“. Auch für Christoph Schlingensief stand er gerne vor der Kamera. Im Schlingensief-Film „Tod eines Weltstars. Portrait Udo Kier“ spielt er sich selbst.
Enge Verbindung mit Heimatstadt Köln
Im gerade erschienenen „The Secret Agent“ hat er einen Cameo-Auftritt als Hans. Udo Kier hat in weit mehr als 220 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt und war einer der produktivsten deutschen Schauspieler überhaupt. Geboren wurde er in Köln, wo er als Jugendlicher in einem Kirchenchor sang.
Obwohl er seit fast 35 Jahren in Kalifornien lebte, blieb er seiner Heimatstadt eng verbunden. Für Besuche in Deutschland galt: „Ich treffe gute Freunde auch, gehe dann noch immer traditionell in den Kölner Dom und stelle bei der Madonna zwei Kerzen auf. Eine für die lebenden, eine für die toten Freunde.“
Botschafter des queeren Films
Mit einem der großen, renommierten Awards wurde Kier nie ausgezeichnet. Er bekam aber zahlreiche alternative Preise, auch Negativpreise. Er pflegte einen eigenen Umgang mit den Trophäen: „Die neuen Preise, der Teddy, der steht noch als Gesprächsthema auf dem Tisch. Und dann kommen die alle auf die Toilette. Weil irgendwann müssen ja meine Gäste auch mal auf die Toilette. Dann kommen die auch von der Toilette zurück und sagen ‚Das wusste ich ja gar nicht.'“
Kier lebte seit mehr als 20 Jahren mit dem Maler und Bildhauer Delbert McBride zusammen. Vielen gilt er nicht nur wegen „My Own Private Idaho“ als herausragender Botschafter des queeren Films. Dazu passen auch seine Auftritte in zwei Musikvideos für das „Erotica“-Album von Madonna.








