Machtübernahme der Armee Militär in Guinea-Bissau setzt Präsidenten ab
Stand: 26.11.2025 21:26 Uhr
In Guinea-Bissau hat sich das Militär an die Macht geputscht. Nach eigener Darstellung hat die Armee damit eine Verschwörung eines Drogenbarons und mehrerer Politiker verhindert. Das westafrikanische Land ist ein Knotenpunkt des Kokainschmuggels.
Wenige Tage nach einer Wahl in Guinea-Bissau hat das Militär in dem westafrikanischen Land nach eigener Darstellung die Macht an sich gerissen. Der Präsident des Landes sei abgesetzt, alle Institutionen sowie Land- und Seegrenzen vorläufig geschlossen, hieß es in der Erklärung einer Gruppe von Offizieren, die unter anderem auf dem Facebook-Kanal des staatlichen Fernsehsenders TGB übertragen wurde.
Soldaten der Armee fahren Patrouille in den Straßen der Hauptstadt Bissau. Im ganzen Land wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.
Militär: Wahlprozess ausgesetzt
Die militärische Machtübernahme sei notwendig gewesen, nachdem das Oberkommando einen Plan zur Wahlmanipulierung und einer Destabilisierung des Landes aufgedeckt habe, sagte der Sprecher der Gruppe, General Denis N’Canha.
In den Plan seien Politiker sowie ein bekannter Drogenbaron verwickelt gewesen. „Das Oberkommando der Streitkräfte zur Wiederherstellung der nationalen Sicherheit und der öffentlichen Ordnung beschließt, den Präsidenten der Republik unverzüglich abzusetzen“, fügte er hinzu.
Das Militär werde die Staatsgewalt übernehmen, „bis die notwendigen Voraussetzungen für die Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Normalität“ gegeben seien, sagte N’Canha weiter. „Bis auf Weiteres werden alle Aktivitäten der Medienorgane ausgesetzt. Der laufende Wahlprozess wird unverzüglich ausgesetzt“, so der Sprecher. Die Offiziere verhängten außerdem eine nächtliche Ausgangssperre.
Berichte über Feuergefechte am Palast
Präsident Umaro Sissoco Embaló hatte dem französischen Magazin Jeune Afrique zuvor gesagt, er sowie der Innenminister und die Stabschefs der Streitkräfte seien im Präsidentenpalast festgenommen worden. Ihm sei aber keine Gewalt angetan worden.
In der Hauptstadt Bissau waren Schüsse zu hören. Laut der Nachrichtenagentur AP fielen Schüsse nahe dem Präsidentenpalast, die Zufahrtstraßen seien abgeriegelt worden. An Kontrollpunkten stünden schwer bewaffnete und vermummte Soldaten. Aus dem Präsidentenpalast verlautete, dass eine Gruppe bewaffneter Männer sich ein Feuergefecht mit Wachleuten geliefert habe.
Zivilisten fliehen in der Hauptstadt Bissau. In der Nähe des Präsidentenpalast fielen mehrfach Schüsse.
Staatschef Embaló besteht auf Wahlsieg
Am Sonntag hatten die Wähler in Guinea-Bissau bei Präsidentschafts- und Parlamentswahlen ihre Stimmen abgegeben. Präsident Embaló und Oppositionskandidat Fernando Dias da Costa beanspruchten am Dienstag beide den Sieg für sich. Amtliche Wahlergebnisse wurden aber erst für Donnerstag erwartet.
Die Opposition hatte die Legitimität von Embaló als Staatschef schon vor der Wahl am Sonntag angezweifelt, weil ihrer Ansicht nach seine Amtszeit bereits im Februar 2025 ausgelaufen war. Der frühere General Embaló regiert seit 2020. Nach einem Putschversuch 2023 hatte er das von der Opposition kontrollierte Parlament aufgelöst.
Umaro Sissoco Embaló hielt sich seit 2020 an der Macht. Gegen die Opposition ging er hart vor.
Umschlagplatz für Drogen
Guinea-Bissau, mit rund 2,2 Millionen Einwohnern auf einer Fläche, die knapp jener der Schweiz entspricht, ist eines der ärmsten Länder der Welt. Das Land am Atlantik verfügt über Bodenschätze wie Gold, Gas und Bauxit, doch gilt die Landwirtschaft als größter Devisenbringer. In den vergangenen Jahren entwickelte es sich zu einem wichtigen Umschlagplatz für Drogen zwischen Lateinamerika und Europa.
Die frühere portugiesische Kolonie hat seit ihrer Unabhängigkeit 1974 mehrfach Putsche und Putschversuche erlebt. Das Militär mischt sich schon viele Jahre stark in die Politik ein. Erst im Oktober war ein versuchter Staatsstreich gemeldet worden. Auch in anderen westafrikanischen Staaten wie Mali und Burkina Faso hatte sich in den vergangenen Jahren das Militär an die Macht geputscht.








