Wirtschaftskrise Offenbar Tote bei neuer Protestwelle im Iran
Stand: 01.01.2026 18:04 Uhr
Im Iran sind erneut zahlreiche Menschen auf die Straßen gegangen, vor allem aus ländlichen Regionen gibt es Berichte über schwere Zusammenstöße. Dabei sollen auch Menschen getötet worden sein.
Angesichts der schweren Wirtschaftskrise sind im Iran erneut Menschenmassen gegen die Staatsführung auf die Straße gegangen. Augenzeugen zufolge rückten die Sicherheitskräfte in den Metropolen mit einem massiven Aufgebot an. Vor allem in ländlichen Regionen ging demnach der Staat mit Härte gegen Demonstrationen vor, hier kam es seit Mittwochabend zu schweren Zusammenstößen.
Mindestens zwei Demonstranten wurden in Lordegan im zentralen Süden getötet, wie die Menschenrechtsgruppe Hengaw berichtete. Auch die staatsnahe Nachrichtenagentur Fars meldete zwei Tote bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Protestteilnehmern und Sicherheitskräften in der Stadt.
Widersprüchliche Berichte zu Todesfall
In Kuhdascht in der westlichen Provinz Lorestan sei ein 21-jähriges Mitglied der paramilitärischen Basidsch-Einheiten ums Leben gekommen, berichtete der staatliche Rundfunk. Die Truppe wird regelmäßig eingesetzt, um Unruhen niederzuschlagen. Der Justizchef der Provinz kündigte an, die Verantwortlichen mit einer Politik der „Null-Toleranz“ zur Rechenschaft zu ziehen.
Die Menschenrechtsgruppe Hengaw wies diese Darstellung jedoch zurück. Bei dem jungen Mann handle es sich keineswegs um ein Mitglied der Basidsch, sondern um einen gewöhnlichen Bürger, der durch Schüsse von Sicherheitskräften getötet worden sei. Er sei aus nächster Nähe durch einen Kopfschuss getötet worden, berichteten die Aktivisten unter Berufung auf informierte Kreise. Die Informationen zu dem Todesfall lassen sich nicht unabhängig verifizieren.
Weitere schwere Ausschreitungen gab es nach Angaben von Aktivisten in den Provinzen Fars, Tschahar Mahal und Bachtiari sowie in Kermanschah. In der Stadt Marwdascht strömten Menschenmengen auf die Straßen, begleitet von Hupkonzerten, während paramilitärische Einheiten mit gepanzerten Fahrzeugen und Motorradkolonnen gegen die Demonstrierenden vorgingen.
Peseschkian räumt Fehler ein
Wie viele Menschen sich in dem Land mit gut 90 Millionen Einwohnern bislang an den Protesten beteiligen, ist unklar. Ausgelöst wurden die Kundgebungen durch einen plötzlichen Einbruch der Devisenkurse am vergangenen Sonntag. Spontan gingen vor allem Händler in der Hauptstadt Teheran auf die Straße. Inzwischen erfassen die Proteste auch andere Landesteile und Bevölkerungsschichten. Studierendenverbände, die bereits frühere Protestwellen mitgetragen hatten, riefen zu Demonstrationen auf.
Präsident Massud Peseschkian warnte am Donnerstag bei einem Besuch in der Provinz Tschahar Mahal und Bachtiari vor politischer Spaltung und räumte Fehler seiner Regierung ein. Neben Wirtschaftsreformen kündigte er an, Subventionen für Importeure zu streichen, die bislang von einem staatlich geförderten Wechselkurs profitiert hatten. Er betonte, der Gegenwert solle direkt an die Endverbraucher weitergegeben werden.
Mit ungewöhnlicher Offenheit erklärte der Politiker, Staat und Banken trügen die Schuld an der hohen Inflation. Sie hätten die „Taschen der benachteiligten Menschen“ geleert und deren Kaufkraft geschwächt. „Unser Platz in der Hölle ist, wenn wir die Probleme der Lebensgrundlage der Menschen nicht lösen“, sagte der Präsident iranischen Medien zufolge.








