Botschaft und Konsulate in Deutschland Taliban kontrollieren alle diplomatischen Vertretungen
Stand: 27.11.2025 10:21 Uhr
Die Botschaft in Berlin arbeitet schon offiziell mit den Taliban zusammen. Das Generalkonsulat in Bonn hatte sich widersetzt. Nun haben die Taliban offenbar alle diplomatischen Vertretungen Afghanistans in Deutschland übernommen.
Es waren kleine Änderungen, die am Mittwochnachmittag auf der Webseite des afghanischen Außenministeriums vorgenommen wurden – aber sie haben für die Taliban zweifellos eine große Bedeutung. Die afghanische Botschaft in Berlin wird dort nun als „Botschaft des Islamischen Emirats Afghanistan“ bezeichnet. „Emirat“ nennen die Taliban den Staat, den sie bei ihrer Machtübernahme 2021 ausgerufen haben und der die frühere Islamische Republik Afghanistan ablösen sollte.
Er ist benannt nach dem Emir, dem obersten Talibanführer Haibatullah Achundzada, der vom südafghanischen Kandahar aus das Land beherrscht. Auch die afghanischen Generalkonsulate in Bonn und in München werden jetzt als Vertretungen dieses Islamischen Emirats bezeichnet.
Taliban kontrollieren noch nicht alle Vertretungen weltweit
Allerdings kontrollieren die Taliban weltweit noch nicht alle diplomatischen Missionen Afghanistans. Abdul Qahar Balkhi, Sprecher des afghanischen Außenministeriums, hatte Ende September in einem Gespräch mit dem ARD Studio Neu-Delhi gesagt, 42 der insgesamt 57 afghanischen Botschaften und Konsulate würden von Kabul gesteuert oder arbeiteten zumindest mit seinem Ministerium zusammen.
So werden einige dieser Einrichtungen inzwischen von in jüngster Zeit entsandten Taliban-Botschaftern geleitet, die anderen von Diplomaten, die zwar von der vorigen demokratischen Regierung bestellt worden waren, die inzwischen aber die Anweisungen der Radikalislamisten ausführen. Lediglich in kaum mehr als ein einem Dutzend Botschaften und Konsulaten sind noch Diplomaten am Ruder, die erklärte Talibangegner sind, so in Belgien, Frankreich und Österreich.
Widerstand aus dem Generalkonsulat Bonn
In Deutschland war das afghanische Generalkonsulat in Bonn die letzte Vertretung, die sich den Radikalislamisten widersetzt hatte. Der von der früheren Regierung entsandte amtierende Generalkonsul war indes Anfang Oktober mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes abberufen worden.
Seither wird die Einrichtung praktisch von einem Vertreter der Taliban geleitet. Er ist einer von zwei Taliban-Diplomaten, die im Sommer von der Bundesregierung akkreditiert worden waren, um die Abschiebung afghanischer Straftäter in ihr Heimatland zu erleichtern.
Die Botschaft in Berlin und das Generalkonsulat in München arbeiten schon seit vergangenem Jahr offen mit Kabul zusammen. Eine ARD-Anfrage an die afghanische Botschaft in Berlin zu den jüngsten Änderungen blieb zunächst unbeantwortet. Außenamtssprecher Balkhi hatte jedoch bereits Ende September angekündigt, dass man die Botschaft im Berliner Stadtteil Grunewald umbenennen wolle. Auch plane man die weiße Taliban-Flagge zu hissen, was bislang aber noch nicht geschehen ist.
Bundesregierung erkennt Taliban offiziell nicht an
Aus Kreisen des deutschen Auswärtigen Amtes hieß es auf ARD-Anfrage, man sei nicht dafür zuständig, „Änderungen der Webseiten anderer Außenministerien zu verfolgen und nachzuhalten“. Noch vor knapp drei Wochen hatte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärt, es sei nicht richtig, dass die afghanischen Vertretungen in Deutschland in den Händen der Taliban seien.
Sie würden „weiterhin durch Personen geleitet, die von der Islamischen Republik Afghanistan vor dem Machtwechsel im August 2021 entsandt und in Deutschland akkreditiert wurden“, hieß es damals. Und das Generalkonsulat in Bonn, wo tatsächlich ein Vertreter der Taliban sitzt, stehe unter Aufsicht der Botschaft in Bonn.








