Palästinenserhilfswerk UNRWA Weiterarbeiten – und auf Trumps Gaza-Plan hoffen
Stand: 25.11.2025 06:30 Uhr
In Trumps Gaza-Plan wird der UN eine wichtige Rolle zugesagt. Zugleich aber steht das Palästinenserhilfswerk UNRWA weiter in der Kritik, ein neues Mandat für Gaza ist ungewiss. Wie arbeitet das UNRWA inzwischen?
Das Gesundheitszentrum von UNRWA, dem Palästinenserhilfswerk der Vereinten Nationen, ist gut besucht. Esraa Ismail sitzt mit ihrem neugeborenen Sohn auf dem Arm im Wartezimmer. Die 26-Jährige bringt den kleinen Khalil zur Kontrolle.
Sie bekomme hier die Impfungen, Labortests und Behandlungen. Dieses Zentrum sei sehr gut, sagt die junge Mutter.
Esraa ist genau wie ihr Sohn in Baqa’a geboren, einem der größten Flüchtlingslager Jordaniens. Ihre Familie ist vor Jahrzehnten aus Palästina in das Nachbarland geflohen. Ursprünglich kommen sie aus Hebron, aus dem von Israel besetzten Westjordanland.
Vom Flüchtlingslager zur eigenen Stadt
Die Vertreibung nach 1967 – dieses Schicksal verbinde die Menschen in dem Lager, erzählt Rasha Al-Osta, die den UNWRA-Standort in Baqa’a leitet. Sichtlich stolz führt sie durch das hellgestrichene Gesundheitszentrum mit eigener Apotheke.
162.000 registrierte Flüchtlinge versorge das UNRWA hier, berichtet sie. Aber auch von außerhalb kämen viele.
Baqa’a hat sich über die Jahrzehnte von einer Zeltstadt in ein eigenes Viertel mit einfachen Wohnhäusern, Märkten und Geschäften entwickelt.
„Zweitgrößter Arbeitgeber in Jordanien“
Das Flüchtlingslager ist eins von vielen in und um Amman. UNRWA betreibt in den Lagern Gesundheitszentren, schickt Lehrpersonal in die Schulen.
Olaf Becker, Direktor von UNRWA in Jordanien, erzählt in seinem Büro in der jordanischen Hauptstadt, das UN-Palästinenserhilfswerk sei auch zweitgrößter Arbeitgeber im Land und Ausbildungsort.
Junge Studenten und Studentinnen werden als Handwerker, Krankenschwestern oder Krankenpfleger ausgebildet. Becker vergleicht UNWRA mit einem sehr großen Unternehmen.
Schwerwiegender Verdacht
Aus der jordanischen Hauptstadt heraus koordiniert UNRWA zigtausende Mitarbeitende, die sich um Millionen Palästinenser in Jordanien, Gaza, Libanon, Syrien und im Westjordanland kümmern. Seit Ausbruch des Gaza-Krieges steht das Hilfswerk der Vereinten Nationen unter Druck.
Israel hat UNRWA-Mitarbeitern vorgeworfen, an der Terrorattacke der Hamas im Oktober vor zwei Jahren beteiligt gewesen zu sein. Stichhaltige Beweise für die Terrorismusvorwürfe habe Israel bislang aber nicht vorgelegt, heißt es von der UN.
Als Konsequenz haben einige Staaten die Finanzierung des UN-Hilfswerk ausgesetzt. Besonders die Finanzhilfen aus den USA fehlen, so Becker. „Es fehlen ungefähr 200 Millionen Dollar für das nächstes Jahr.“
Mandatsverlängerung im Dezember?
Das Geld ist ein Problem und die Zukunft ungewiss. In den kommenden Wochen soll das Mandat der Hilfsorganisation bei der UN verlängert werden. Becker betont, schließlich sei UNRWA auch Teil des Friedensplans von US-Präsident Donald Trump für Gaza. „Wenn wir UNRWA da rausziehen, sieht es wohl ziemlich schlecht aus für den Wiederaufbau von Gaza und für den Erfolg von Trumps 20-Punkte-Plan. Da steht klar drin, dass die Versorgung durch die Vereinten Nationrn und deren Agenturen gemacht werden soll.“
Ohne Mandatsverlängerung bei den Vereinten Nationen wäre das nicht möglich. Deutschland hat gerade bei einer Vorab-Abstimmung vergangene Woche erstmals nicht zugestimmt.
Als Begründung sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul, die Bundesregierung erwarte zunächst konsequente und überprüfbare Reformen innerhalb des Hilfswerks. Gleichzeitig räumte er ein, dass UNRWA lebenswichtige Hilfen für rund sechs Millionen Menschen leiste.
Kürzungen wirken sich schon aus
Im Flüchtlingslager in Baqa’a spüren die Bewohner die finanziellen Kürzungen schon jetzt. UNRWA zahlt keine Bargeldhilfe mehr aus. Für viele der Menschen sei dies das einzige Einkommen, sagt Al-Osta.
Etwas mehr als zehn Dollar monatlich pro Person, so viel gab es bislang. Der Wegfall bringe die Familien in Not, davon ist die Leiterin des Flüchtlingslagers überzeugt.
Der kleine Khalil hat im UNRWA-Gesundheitszentrum seine Impfung bekommen. Die junge Mutter Esraa wünscht sich für ihren Neugeborenen eine bessere Zukunft. Wo, das kann die Palästinenserin nicht sagen. Hauptsache nicht im Flüchtlingslager.








