Stand: 27.11.2025 22:14 Uhr
Nach dem Attentat auf zwei Soldaten der Nationalgarde in Washington D.C. kämpfen die beiden Verletzten weiter um ihr Leben. Derweil nutzt Präsident Trump den Vorfall für seine politische Agenda.
Nach wie vor ist nicht bekannt, warum der 29-jährige Afghane in der US-Hauptstadt Washington D.C. auf zwei Mitglieder der Nationalgarde schoss. Bei einer Pressekonferenz erklärte FBI-Direktor Kash Patel, dass aktuell wegen Terrorverdachts ermittelt werde. Zu einem möglichen Tatmotiv gibt es bislang aber keine Angaben.
Für US-Präsident Donald Trump ist das kein Grund, sich zurückzuhalten. Schon wenige Stunden nach dem Attentat versuchte er mit einer Ansprache an die Bevölkerung, politisches Kapital aus der Tat zu schlagen. Wurzel allen Übels sei die zu liberale Migrationspolitik seines Amtsvorgängers Joe Biden: „Der Tatverdächtige ist ein Ausländer aus Afghanistan – einem Höllenloch auf Erden! Er wurde im September 2021 von der Biden-Regierung mit diesen berüchtigten Flügen eingeflogen, über die alle gesprochen haben.“
Trump sucht Schuld bei Biden
Gemeint ist das Schutzprogramm „Operation Allies Welcome“, das nach Abzug der US-Truppen aus Afghanistan und der Machtübernahme der Taliban von der Biden-Regierung initiiert wurde. Es ermöglichte Regierungsbehörden zufolge rund 76.000 ehemaligen Ortskräften, die mit den US-Soldaten zusammengearbeitet hatten, einen Asylantrag zu stellen und in die USA einzureisen.
„Niemand wusste, wer hereinkommt“, behauptet Trump und will nun „jeden einzelnen Ausländer“, der während der Präsidentschaft Bidens aus Afghanistan in die USA eingereist ist, erneut überprüfen lassen. Statt die Gemüter am Vorabend des amerikanischen Familienfests Thanksgiving zu beruhigen, nutzt der US-Präsident die Tat also eher, um seine immer unbeliebter werdende Migrationspolitik aggressiv zu verteidigen.
Regierung will Migrationspolitik weiter verschärfen
Die US-Einwanderungsbehörde USCIS teilte nach Trumps Videobotschaft auf der Online-Plattform X mit, die Bearbeitung aller Einwanderungsanträge afghanischer Staatsangehöriger mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres auszusetzen.
Vizepräsident JD Vance kündigte an, noch mehr Menschen abschieben zu wollen: „(…) Wir werden unsere Bemühungen verdoppeln, um Menschen abzuschieben, die kein Recht haben in unserem Land zu sein“, schrieb Vance auf X.
Die Ironie an der Sache: Der Asylantrag des 29-jährigen Tatverdächtigen wurde Ende April 2025 bewilligt – zu diesem Zeitpunkt war Trump selbst schon drei Monate im Amt.
Bondi: „Progressive linke Idioten“
Auch andere Regierungsmitglieder aus Trumps Kabinett nutzen die Gelegenheit, um gegen die Opposition auszuteilen. US-Justizministerin Pam Bondi macht demokratischen Abgeordneten und auch Journalisten in einem Interview bei Fox News Vorwürfe. Sie sollen durch Kritik am Einsatz der Nationalgarde zu dieser Gewalttat beigetragen haben. „Wir werden uns alles angucken, was sie gesagt haben, und ob sie zu dieser Gewalt ermutigt haben“, so Bondi. „Es ist traurig, was aus unserem Land geworden ist mit diesen progressiven linken Idioten.“
Seit dem Sommer sind mehr als 2.000 Nationalgardisten in Washington im Einsatz. Trump hatte sie im August in die Hauptstadt beordert und ihre Mobilisierung mit angeblich ausufernder Kriminalität begründet. Das ist sehr umstritten – vor allem, weil Kriminalitätsstatistiken diese Darstellung nicht stützen.
Noch mehr Nationalgardisten in Washington D.C.
Washingtons Bürgermeisterin und auch die örtliche Polizei haben sich immer wieder gegen den Einsatz der Nationalgarde in ihrer Stadt ausgesprochen. Der Bundesdistrikt Washington D.C. hatte sogar eine Klage gegen die Trump-Regierung eingereicht – und recht bekommen. Eine Bundesrichterin entschied vor etwa einer Woche, dass der immer wieder verlängerte Einsatz der Nationalgarde in der Stadt illegal sei.
Von dieser Entscheidung zeigt sich der US-Präsident aber unbeeindruckt. Nach den Schüssen auf die beiden Nationalgardisten fühlt er sich im Recht. Seinen Pentagon-Chef hat er jetzt sogar angewiesen, noch weitere 500 Nationalgardisten in die Hauptstadt zu schicken.








