Stand: 27.11.2025 21:29 Uhr
Mit Blick auf Friedensverhandlungen gibt sich Russlands Präsident Putin offiziell gesprächsbereit, bleibt in der Sache jedoch hart: Wenn die Ukraine die Gebiete nicht aufgebe, die Russland beansprucht, gehe der Krieg weiter.
Russlands Machthaber Wladimir Putin hat den Rückzug der Ukraine aus den von Russland völkerrechtswidrig beanspruchten Gebieten zur Bedingung für eine Einstellung der Kämpfe gemacht. „Wenn die ukrainischen Truppen die von ihnen gehaltenen Gebiete verlassen, werden wir die Kampfeinsätze beenden“, sagte Putin bei einem Besuch in Bischkek, der Hauptstadt Kirgistans. „Wenn sie dies nicht tun, werden wir dies mit militärischen Mitteln erreichen“, so der Kremlchef.
Aus welchen Regionen genau sich die ukrainischen Truppen zurückziehen sollten, sagte Putin nicht. Russland hatte immer wieder gefordert, dass die Ukraine die vier Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja vollständig an Russland abgeben müsse – auch die Teile, die Russland nie erobert hat. Der Kreml hatte diese Regionen 2022 völkerrechtswidrig annektiert und sie in der Verfassung als Teil des Staatsgebietes benannt.
Russland kontrolliert derzeit rund ein Fünftel des ukrainischen Territoriums. Die Ukraine hat Gebietsabtretungen bisher kategorisch abgelehnt. Donezk und Luhansk in der Ostukraine gelten als Priorität für Moskau. Die Abtretung dieser Gebiete war auch Teil des ursprünglichen, von den USA vorgelegten 28-Punkte-Plans zur Beendigung des Ukraine-Kriegs. Der Text wurde nach Kritik aus Kiew und von EU-Staaten abgeändert.
Putin: Kann Angriff auf Europa schriftlich ausschließen
Putin erklärte, er sei bereit, den Verzicht auf einen Angriff gegen Europa im Zuge diplomatischer Verhandlungen schriftlich festzuhalten. Es sei eine „Lüge“ und „völliger Blödsinn“ zu behaupten, dass Russland vorhabe, Europa zu überfallen, sagte der Kremlchef. Die Politiker, die dies behaupteten, dienten entweder der jeweiligen Verteidigungsindustrie oder wollten ihre Beliebtheit stärken.
„Für uns klingt das lächerlich. Die Wahrheit ist, dass wir das nie vorhatten, aber wenn sie es von uns hören wollen, na gut, dann fixieren wir das. Keine Frage“, so Putin. Solche Beteuerungen werden jedoch im Westen immer wieder angezweifelt, denn auch kurz vor dem Angriff auf die Ukraine hatte Putin derartige Pläne dementiert.
Witkoff kommende Woche in Moskau
In der kommenden Woche wird der US-Sondergesandte Steve Witkoff zu weiteren Gesprächen über die Vorschläge in Moskau erwartet. Auf russischer Seite würden Vertreter des Außenministeriums und der Präsidialverwaltung an den Verhandlungen teilnehmen, sagte Putin. Namentlich nannte er seine Berater Wladimir Medinski und Juri Uschakow. Es gehe um einen sehr großen Komplex an Fragen, der behandelt werden müsse.
Auch die Ukraine setzt nach eigenen Angaben ihre Arbeit an einem möglichen Friedensplan mit Vertretern der USA in Kürze fort. Ende dieser Woche würden die Verhandlungsdelegationen beider Länder wieder über eine Beendigung des Krieges beraten, um das in Genf erzielte Ergebnis weiterzuentwickeln, schrieb der Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Andrij Jermak, auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. „Es ist wichtig, nicht an Produktivität zu verlieren und schnell zu arbeiten.“
Merz: „Die Ukraine braucht starke Streitkräfte“
Mit Blick auf weitere Verhandlungen über ein Ende des Krieges sprach sich Bundeskanzler Friedrich Merz für eine dauerhafte Stärkung der ukrainischen Armee aus. „Die Ukraine braucht starke Streitkräfte“, sagte Merz bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem estnischen Ministerpräsidenten Kristen Michal in Berlin. „Die wichtigste Sicherheitsgarantie ist eine dauerhafte, gute Ausrüstung der ukrainischen Armee“, dies gelte „jetzt, aber auch in Zukunft“.
Wenn es „eines Tages zu einem Friedensabkommen kommen sollte“, dann brauche die Ukraine „weiter starke Streitkräfte und belastbare Sicherheitsgarantien ihrer Partner“. Aus diesem Grund sei bei den Beratungen in Genf am vergangenen Wochenende auch über die „Zielgröße“ der ukrainischen Armee gesprochen worden. Was der Ukraine von Seiten der Verbündeten an weiteren Sicherheitsgarantien gegeben werden könne, dafür sei „es zum jetzigen Zeitpunkt zu früh“, erklärte der Kanzler.
Krim-Explosion: Acht Männer verurteilt
Unterdessen wurden in Russland drei Jahre nach der tödlichen Explosion auf einer Brücke zur Krim acht Männer zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Die Männer seien schuldig gesprochen worden, als Teil einer „organisierten kriminellen Vereinigung“ im Oktober 2022 einen Anschlag auf die Brücke zwischen dem russischen Festland und der Halbinsel Krim verübt zu haben, erklärte ein Militärgericht in der Stadt Rostow am Don im Onlinedienst Telegram.
Die Krim gehört völkerrechtlich zur Ukraine. Russland hatte die Halbinsel 2014 für annektiert erklärt. Am 8. Oktober 2022 war auf der Kertsch-Brücke eine Autobombe explodiert. Die Bombe löste ein riesiges Feuer aus, sieben Tanks eines Güterzuges gerieten in Brand. Die strategisch wichtige Brücke wurde teils schwer beschädigt. Dabei wurden fünf Menschen getötet. Die Ukraine bekannte sich zu dem Angriff, der einige Monate nach dem Beginn der russischen Offensive in der Ukraine stattfand, und erklärte, dieser habe auf eine Behinderung der russischen Logistik abgezielt.








