Konsumenten geben weniger Geld aus Sparsamkeit – ein Alarmsignal für die Stimmung in den USA
Stand: 25.11.2025 20:03 Uhr
Viele US-Bürger geben derzeit eher wenig Geld aus. Wenn die sonst so konsum- und schuldenfreudigen Amerikaner weniger kaufen, ist das ein Alarmsignal für die Stimmung im Land.
US-amerikanische Verbraucherinnen und Verbraucher haben begonnen, ihr Geld zusammenzuhalten. Wenn die grundsätzlich konsum- und schuldenfreudigen Amerikaner aber weniger kaufen, ist das ein Alarmsignal.
Zwar haben sich US-Unternehmen reichlich mit internationaler Ware eingedeckt, bevor neue Zölle ihren Einkauf verteuerten. Doch sind die Lager mittlerweile leer, und es muss zu neuen, deutlich höheren Kosten frisch importiert werden. Der Bekleidungshersteller und -händler Abercrombie & Fitch, zu dem auch die Marke Hollister gehört, berichtet, sein Geschäft mit teurer junger Mode werde dieses Jahr mit 90 Millionen Dollar aus Zöllen belastet.
„Zölle verändern Importe und Exporte nicht nur mal so“, sagt Wirtschaftsprofessor Samuel Kortum von der Universität Yale: „Das amerikanische Staatsdefizit sinkt, aber weil die Preise stärker steigen als der Konsum, tragen die amerikanischen Konsumenten die wirtschaftlichen Kosten“.
Zeit des Kaufens und Feierns
Amerika steht vor einer Zeit des traditionellen Kaufens und Feierns. Die „Feiertags-Saison“, die „Holiday Season“ beginnt diesen Donnerstag mit Thanksgiving, der amerikanischen Variante des Erntedankfestes, und setzt sich bis zum Neujahrstag fort. Familienfeste treffen auf kommerzielle Aktionstage, die gern auch im Kreise der Familie verbracht werden.
Millionen Angestellte werden sich Freitag frei nehmen, um am „Black Friday“ mit Kind und Kegel vor Computer- und Kleidungsgeschäften Schlange zu stehen. Händler im ganzen Land locken mit Sonderangeboten und frischen Produktlinien. Der Onlinehandel zieht Montag mit dem „Cyber Monday“ nach. In Büros zwischen New York und Los Angeles müssen es Chefs hinnehmen, wenn ihre Leute beachtliche Teile der Arbeitszeit mit Schnäppchenjagd am Computer verbringen.
Daten des Analyseunternehmens „The Conference Board“ legen nahe, dass der private Konsum zunehmend von Menschen mit hochbezahlten Jobs getragen wird. Breite Kreise der Bevölkerung verzichten dagegen auf teure Einkäufe.
Lockdown für die Stimmung
Wegen Streits um den Staatshaushalt fehlte im Herbst Geld, um Staatsbedienstete zu bezahlen. Sechs Wochen lang bekamen 1,4 Millionen Angestellte von US-Bundesbehörden kein Gehalt. Stillstehende Behörden („Lockdown“) haben auf die Stimmung im Land gedrückt. Viele der gebeutelten Behördenmitarbeiter werden länger brauchen, um die gehaltslose Zeit wirtschaftlich zu verdauen.
Wegen des Lockdowns gibt es keine amtlichen Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung. Das staatliche „Bureau of Economic Analysis“ hat nichts Frisches zum Konsumentenverhalten und zur Inflation errechnet. Beobachter sind auf Daten einzelner Unternehmen und Umfragen angewiesen.
Das Modeunternehmen Ambercrombie & Fitch buchte zwar im bisherigen Geschäftsjahr sieben Prozent mehr Umsatz, rechnet aber im Weihnachtsgeschäft nicht mit weiterer Steigerung. Der Elektronikhändler Best Buy erwartet für das Quartal um Weihnachten nur ein Prozent Wachstum. Bei etwa 2,8 Prozent Inflation bedeutet das Rückschritt.
Wenig Optimismus bei Verbrauchern
Ende Oktober blickte „The Conference Board“ pessimistisch in die Zukunft. Der Erwartungen der Amerikanerinnen und Amerikaner sind von einem ohnehin niedrigen Niveau nochmals gesunken.
Ähnliches zeigt der Index, mit dem Ökonomen der Universität Michigan die Konsumentenstimmung messen. Der dort zuletzt registrierte Rückgang sei zwar noch im Rahmen möglicher Messfehler. Von Optimismus war jedenfalls keine Spur. „Konsumenten sind nach wie vor enttäuscht über dauerhaft hohe Preise und schwächelnde Einkommen“, fasst Joanne Hsu von der Uni Michigan zusammen.
Dauerhaft schwache Nachfrage breiter Bevölkerungskreise beutelt die Unternehmen der Konsumgüterindustrie. Das Datenunternehmen Dow Jones berechnet einen Messwert aus der Börsenrendite von 81 Großunternehmen, die Waren und Dienste für Konsumenten anbieten. Dass der Index dieses Jahr vor dem Weihnachtsgeschäft deutlich sinkt, ist außergewöhnlich. Aktuell ist er gegenüber dem Vorjahr um ein kümmerliches Prozent gestiegen.








