US-Immigrationsbehörde ICE Mehrere Festnahmen bei Greencard-Interviews
Stand: 28.11.2025 08:23 Uhr
Mehrere ausländische Ehepartner von US-Bürgern wurden offenbar bei ihren Greencard-Interviews festgenommen – von der Immigrationsbehörde ICE. Darunter ist auch ein Deutscher. Offiziell geht es wohl um abgelaufene Visa.
US-Bürgerin Audrey Hestmark ist seit einem guten Jahr mit einem Deutschen verheiratet. Die beiden hatten für den Ehemann eine Greencard beantragt – also eine permanente Aufenthaltsgenehmigung für die USA. Sie hätten alle Anträge gestellt, Papiere gesammelt und beim entscheidenden Termin im Büro der zuständigen Behörde in San Diego gesessen. Auf einmal seien drei maskierte Männer hereingekommen und hätten ihren Mann festgenommen, erzählte Audrey dem Regionalsender NBC San Diego.
Der Grund war offenbar sein abgelaufenes Visum. Von einem ähnlichen Fall berichtet auch die New York Times: Eine Britin, verheiratet mit einem US-Bürger. Die beiden waren im gleichen Büro, ebenfalls für ihren Gesprächstermin, als Agenten der Immigrationsbehörde ICE die Britin festnahmen. Er habe ihr Baby aus den Armen seiner weinenden Mutter nehmen müssen, erzählt ihr Mann Stephen Paul.
Grund war offenbar ein abgelaufenes Visum
Das alarmiert Einwanderungsanwälte. Ein abgelaufenes Visum sei natürlich ein Problem. Aber bisher sei das in vergleichbaren Fällen, also bei einer gültigen Ehe mit US-Bürgern und einem laufenden Greencard-Antrag, in der Regel unproblematisch lösbar gewesen.
Anwalt Jim Hacking veröffentlicht regelmäßig Videos auf Youtube und geht aktuell auf solche Fälle in Kalifornien ein. Man könne einen Trend erkennen, sagt er: „Wir reden von Ehepartnern von US-Bürgern, die nur mit ESTA eingereist sind oder deren Visum schon abgelaufen ist, und die jetzt ihr Greencard-Interview haben.“ Früher sei das kein Problem gewesen. „Man konnte, wenn man sich an bestimmte Formalitäten gehalten hat, trotzdem seine Green Card bekommen“, erklärt er.
Jetzt würden Menschen direkt beim Gesprächstermin erstmal festgenommen. „Sie wollen tun, was Donald Trump erwartet und ihre Quote erfüllen. Das ist eine unglaubliche Veränderung, und das kann den Prozess in solchen Fällen enorm verlängern.“
Einzelfälle oder neue Vorgehensweise?
Natürlich will Hacking mit seinen Online-Videos nicht nur informieren, sondern auch Kunden gewinnen. Ob es sich um Einzelfälle handelt oder tatsächlich um eine neue Vorgehensweise der Behörden, ist unklar. Aber auch andere Anwälte berichten von vergleichbaren Fällen in Kalifornien. Audrey Hestmark sagt, sie seien normale Leute, keine Kriminellen.
Laut New York Times ist die britische Ehefrau von Stephen Paul mittlerweile wieder frei und hat ihre Greencard bekommen. Im Fall des deutschen Staatsbürgers steht das zuständige Konsulat mit der Familie und den amerikanischen Behörden in Kontakt, wie das ARD Studio Los Angeles aus Kreisen erfuhr.








