Stand: 28.11.2025 07:11 Uhr
Wegen seines Vorgehens im Westjordanland steht Israel seit Langem in der Kritik. Nun sorgt ein Video für Empörung, auf dem zu sehen ist, wie Soldaten zwei Palästinenser erschießen, die sich zuvor ergeben haben sollen.
Es sind verstörende Bilder: Ein Bagger zertrümmert das Tor eines Gebäudes in der palästinensischen Stadt Dschenin im nördlichen Westjordanland. Zwei Palästinenser kommen mit erhobenen Händen heraus, heben ihre Pullover hoch. Sie sind von israelischen Soldaten umstellt. Ein Soldat tritt die Männer, die am Boden liegen, dann signalisiert er ihnen, dass sie wieder hineingehen sollen.
Es fallen Schüsse. Die Soldaten erschießen die Männer am Boden – aus nächster Nähe.
Kameraleute der arabischen Fernsehsender AlGhad TV und Palestine TV haben die Szene gefilmt. Die Nachrichtenagentur Reuters zeigt Einstellungen, auf denen zu sehen ist, dass Soldaten zuvor mit ihren Waffen auf etwas außerhalb des Bildes zielen.
Reporter Ahmad Nazzal von Palestine TV schildert dem ARD-Studio Tel Aviv seine Beobachtungen:
Ich war einer der Ersten vor Ort. Ich habe zuvor kein Feuergefecht zwischen der Armee und den zwei jungen Männern gesehen. Sie steckten in einem Warenhaus fest. Ein Bulldozer der Armee hat die Tür zerstört. Das Haus war umstellt. Die zwei Männer kamen mit erhobenen Händen heraus. Die Armee befahl ihnen, sich auf den Boden zu legen. Einer war draußen, der andere wurde wieder hineingeschubst. Nach einigen Sekunden begannen die Soldaten, auf die Männer am Boden zu schießen.
Ahmad Nazzal, Palestine TV
Er glaube nicht, dass die beiden eine Bedrohung waren. Sie seien unbewaffnet gewesen und hätten sich den Soldaten ergeben, betont er noch einmal. Szenen wie diese heizen die Situation im Westjordanland weiter an.
„Dieser Militäreinsatz ist ein Schritt zur Annexion“
Am Abend teilte die israelische Armee in einer schriftlichen Stellungnahme mit: „Die Gesuchten haben zu einem Terrornetzwerk in Dschenin gehört. Zunächst hat die Armee das Gebäude umstellt und die Männer zur Aufgabe aufgefordert. Das hat Stunden gedauert. Nachdem schweres Gerät zum Einsatz kam, sind die zwei Verdächtigen herausgekommen. Dann ist auf sie geschossen worden.“ Die Armee will den Vorfall nun untersuchen.
Auch in Tubas spricht die Armee von einem Einsatz gegen den Terror. In der 21.000-Einwohner-Stadt im Westjordanland spitzt sich die Lage zu. Seit mehr als zwei Tagen belagert die Armee die palästinensische Stadt und Gemeinden nördlich von Nablus.
Zufahrtsstraßen seien blockiert, es gebe Hausdurchsuchungen und eine Ausgangssperre, berichtet der Gouverneur von Tubas, Ahmad Al-Asaad, der ARD per Telefon:
Das Ziel des Militäreinsatzes ist politisch. Es handelt sich um eine Invasion im gesamten Regierungsbezirk, in Tubas, Tammun, Aqaba, Al-Fara, Tayasir und in den umliegenden Dörfern. Sie beschlagnahmen mehr als 100 Hektar Land, damit eine Straße für Siedler gebaut werden kann. Dieser Militäreinsatz ist ein Schritt zur Annexion.
Ahmad Al-Asaad, Gouverneur von Tubas
Gouverneur: Straßen werden grundlos beschädigt
Israels rechtsgerichteter Finanzminister Bezalel Smotrich hatte zuvor angekündigt, er strebe die Hoheit über das Westjordanland an. Der palästinensische Gouverneur Al-Asaad berichtet, Bulldozer würden grundlos Straßen beschädigen, Wasser und Stromleitungen. Auch von Verhaftungen spricht Al-Asaad.
Im Nachbarort Tammun berichtet der hiesige Bürgermeister der ARD ebenfalls von beschädigten Wasserleitungen, einer Ausgangssperre, Drohnen und Bulldozern.
Der Anwohner Saleh Bsharat schilderte in einer Sprachnachricht, wie sein Haus in Tammun vor zwei Tagen gestürmt wurde:
Sie haben mein Haus um 6 Uhr morgens gestürmt. Es waren mehr als 20 Soldaten mit Bulldozern. Meine Mutter und ich waren allein. Sie haben alles durchsucht, auch das Dach. Sie sagten, wir müssen unser Haus für eine Woche verlassen. Sie nahmen unsere Autoschlüssel und gaben uns einen zurück. Die Aufnahmen unserer Überwachungskamera haben sie gelöscht. Dann mussten wir gehen.
Obdach fand Bsharat im Haus seines Bruders in der Nähe. Er könne sonst nirgendwo hin. Laut der Armee soll der Militäreinsatz in der Region einige Tage dauern. Viele Menschen berichten, dass sie von den Truppen umstellt sind.








