Macron zu Stand der Verhandlungen „Russland eindeutig nicht zu Waffenstillstand bereit“
Stand: 25.11.2025 22:38 Uhr
Die Aussagen gehen weit auseinander: Frankreichs Präsident Macron sieht keinerlei Bereitschaft in Moskau für Gespräche über den von den USA vorgelegten Ukraine-Plan. US-Präsident Trump sagte, es gebe „nur noch wenige Streitpunkte“.
Der französische Präsident Emmanuel Macron sieht keinerlei Anzeichen dafür, dass Russland bereit wäre, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. „Russland ist derzeit eindeutig nicht zu einem Waffenstillstand bereit“, sagte Macron vor Journalisten nach einer Videokonferenz der sogenannten Koalition der Willigen zur Unterstützung der Ukraine.
Macron berief sich bei seinen Äußerungen auf die Angaben „mehrerer Teilnehmer“, die auf der Konferenz von ihrem „direktem Austausch mit den Russen, insbesondere mit Präsident Putin“ berichtet hätten. Neben seinem Unwillen, den Krieg zu beenden, habe der Kreml auch keine „Bereitschaft zu Gesprächen“ über den US-Plan für die Ukraine gezeigt. Es müsse weiterhin Druck auf die russische Führung ausgeübt werden, damit sie Verhandlungen aufnimmt, forderte Macron.
Zu der Koalition der Willigen gehören rund 30 überwiegend europäische Staaten, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Großbritannien, aber auch Kanada und die Türkei. An der Videokonferenz nahm auch US-Außenminister Marco Rubio teil.
„Keine Einschränkungen“ für ukrainische Armee
Am Sonntag hatten Delegationen der USA, der Ukraine und mehrerer europäischer Länder in Genf Gespräche über den von den USA vorgelegten 28-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges in der Ukraine geführt. Dieser kam in seiner ursprünglichen Fassung den Interessen des Aggressors Russland weit entgegen.
So sollte die Ukraine laut diesem Plan auf einen NATO-Beitritt verzichten, ihre Streitkräfte verkleinern und den gesamten Donbass an Russland abgeben. Auf Sicherheitsgarantien, die die Ukraine vor einem erneuten Angriff Russlands schützen sollen, geht der 28-Punkte-Plan nur vage ein. Nach europäischen Angaben wurden bei den Gesprächen in Genf Änderungen an diesem Plan erreicht.
Die Gespräche in Genf hätten gezeigt, dass es „keine Einschränkungen“ für die ukrainische Armee geben dürfe, sagte Macron weiter. Es bedürfe einer „starken ukrainischen Armee“, um Russland selbst im Falle eines Friedensabkommens an einem erneuten Angriff zu hindern.
Paris und London leiten Arbeitsgruppe zu „Sicherheitskräften“
Der französische Präsident sagte, bereits am Mittwoch werde eine Arbeitsgruppe zu den „Sicherheitskräften“ eingerichtet, die im Fall einer Einigung zwischen Russland und der Ukraine als „zweite Verteidigungslinie“ zur „Stärkung der ukrainischen Armee“ dienen sollten. Geleitet werde diese Gruppe von Frankreich und Großbritannien, die Türkei werde aufgrund ihrer „wichtigen Rolle“ mit Blick auf die Marine eng einbezogen.
Erstmals seien zudem die USA an diesen Gesprächen beteiligt. Ziel sei es, in den „kommenden Tagen“ den Beitrag jedes Landes zu klären und so die „Sicherheitsgarantien“ endgültig festzulegen. Dies sei „unverzichtbar, um einen glaubwürdigen Frieden auszuhandeln“ und zudem „Druck auf Russland aufrechtzuerhalten“.
Von der Leyen: Druck auf Russland erhöhen
Die „Koalition der Willigen“ bekräftigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zufolge, den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten. „Da Druck nach wie vor die einzige Sprache ist, auf die Russland reagiert, werden wir ihn weiter erhöhen, bis ein echter Wille besteht, einen glaubwürdigen Weg zum Frieden einzuschlagen“, schreibt von der Leyen in einem Beitrag auf X.
Dies habe die Koalition in einer Videoschalte mit US-Außenminister bekräftigt. Die Koalition werde die Ukraine weiter unterstützen. Dazu gehörten auch Finanzmittel wie das eingefrorene russische Staatsvermögen.
Die Bundesregierung teilte am Abend mit, die Staats- und Regierungschefs der „Koalition der Willigen“ hätten ihre uneingeschränkte Unterstützung für die Ukraine bekundet – und für einen gerechten und dauerhaften Frieden, der dem ukrainischen Volk zusteht. Jede Lösung müsse „die Ukraine vollständig einbeziehen, ihre Souveränität wahren und ihre langfristige Sicherheit gewährleisten“.
Trump zuversichtlich, Weißes Haus zurückhaltend
US-Präsident Donald Trump äußerte sich erneut optimistisch über einen baldigen Durchbruch in den Ukraine-Verhandlungen. „Ich denke, wir kommen einer Einigung sehr nahe“, sagte Trump in Washington bei der traditionellen Truthahn-Begnadigung vor dem Familienfest Thanksgiving.
In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump dann, er habe den US-Sondergesandten Steve Witkoff angewiesen, sich in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu treffen. „Es gibt nur noch wenige Streitpunkte.“ Der Staatssekretär für das Heer, Dan Driscoll, werde sich mit der ukrainischen Seite treffen. Einen konkreten Zeitpunkt für die beiden Treffen nannte Trump nicht.
Die Sprecherin des Weißen Hauses äußerte sich etwas zurückhaltender. In den Gesprächen mit der Ukraine und Russland seien noch einige „heikle, aber nicht unüberwindbare“ Punkte des US-Plans zu klären, erklärte Präsidentensprecherin Karoline Leavitt.
Am vergangenen Freitag hatte der Präsident der Ukraine eine Frist zur Zustimmung zu dem US-Plan bis Thanksgiving an diesem Donnerstag gestellt. Diese Forderung wiederholte Trump jedoch nicht. Leavitt schrieb im Onlinedienst X, es seien „weitere Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten“ nötig.
Kreml sieht in Trump-Plan „gute Grundlage“
Ungeachtet der laufenden Verhandlungen über Änderungen am ursprünglichen 28-Punkte-Plan hat Kreml-Sprecher Dmitri Peskow diesen verteidigt: „Derzeit ist das einzig Substanzielle das amerikanische Projekt, das Trump-Projekt. Wir sind der Ansicht, dass dies eine sehr gute Grundlage für Verhandlungen sein könnte. Wir halten weiterhin an diesem Standpunkt fest“, sagt Peskow.
Wegen der inhaltliche Nähe zu Forderungen Russlands und einiger ungewöhnlicher Formulierungen waren nach Veröffentlichung des US-Plans Vermutungen laut geworden, bei dem Papier handelte es sich um eine Übersetzungen aus dem Russischen. Am Rande einer Sicherheitskonferenz in Kanada meldeten sich mehrere US-Senatoren zu Wort und berichteten: In einem Telefonat habe ihnen Außenminister Rubio mitgeteilt, dass der 28-Punkte-Plan nicht aus einer amerikanischen Feder stammt.








